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"Burj Dubai": Höchstes Gebäude der Welt öffnet Tore

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"Als hätten Marsmenschen ihn hingestellt"

04.01.2010, 13:15 Uhr


Von Bernhard Zand

Burj Chalifa: Im höchsten Gebäude der Welt eröffnet Armani ein Hotel (Foto: Reuters) Burj Chalifa: Im höchsten Gebäude der Welt eröffnet Armani ein Hotel (Foto: Reuters)Der Turm ist so hoch, dass er kaum fotografiert werden kann: Der "Burj Dubai" ragt 800 Meter hoch in den Himmel von Dubai. Jetzt wird das höchste Gebäude der Welt eröffnet. SPIEGEL-Korrespondent Bernhard Zand hat es von seinem Wohnzimmer wachsen sehen.Sehen Sie das Bauwerk auch in unserer Foto-Serie.

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Der höchste Turm der Welt
"Burj Dubai" Letztes Giga-Bauprojekt Dubais?

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Stumpf eines Wolkenkratzers war zu sehen

Als wir 2006 in Dubai eine Bleibe suchten, musste es schnell gehen: Just an dem Morgen, an dem wir die Wohnungsanzeigen der "Gulf News" aufschlugen, brach im Libanon der Krieg zwischen der Hisbollah und Israel aus. Mir blieb ein Tag bis zur Maschine nach Damaskus - ein Tag, der aber eine Entscheidung brachte, die uns leicht fiel. Zwei Reihenhäuser hatten wir am Nachmittag gefunden, die Fenster des einen Richtung Küste, die des anderen Richtung Wüste hinaus. Der Grundriss war identisch, doch aus dem Wohnzimmer des Wüstenhauses war der Stumpf eines Wolkenkratzers zu sehen, des Burj Dubai. 50 Etagen zählte er damals, fast 200 sollten es in den kommenden drei Jahren werden. "Wenn die Sonne tief steht", versprach die Maklerin, "wird der Schatten fast bis in ihren Garten reichen."


"Der Burj Dubai. Monument. Juwel. Ikone"

"Lass uns den Wüstenblick nehmen", schlug meine Frau vor. Da ich zum Flughafen musste und sie nun das Vergnügen hatte, Kaution, Courtage und Einzugstermin auszuhandeln, stimmte ich gerne zu. Makler und Hausbesitzer waren sehr selbstbewusst damals, bevor die Immobilien-Krise auch Dubai ereilte. Und übermütig waren die Scheichs. "History rising", stand am Bauzaun und auf riesigen Plakatwänden vor der Turm-Baustelle. "Der Burj Dubai. Monument. Juwel. Ikone", warb seine Website: "Er wird viele Namen tragen. Doch nur eine Gruppe Privilegierter wird ihn ihr Zuhause nennen." Kein Wort von der Gruppe der höchst Unprivilegierten, die das Wunderwerk errichteten: Bis zu 14.000 Männer, vor allem aus Indien, Pakistan, Sri Lanka und Bangladesch schufteten fünf Jahre lang, drei Schichten täglich, zum Teil bei 45 Grad im Schatten. Man könnte ihn auch Burj Karachi, Burj Dhaka oder Burj Trivandrum nennen - nach der Stadt im Süden Indiens, von wo die meisten seiner Erbauer kamen.

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Aura kommt nicht durchs Marketing

Um je ein Stockwerk jede Woche wuchs das Gebäude nun empor, und wie vieles, das man jeden Morgen sieht, wurde uns der Anblick bald zum Alltag. In Kairo hatten wir draußen an den Pyramiden gewohnt - Monumente, die schon für Cäsar und Napoleon historisch waren. Wahre Aura, daran musste ich mich in den wilden Jahren des Dubai-Booms gelegentlich erinnern, kommt erst mit den Jahrhunderten, nicht mit dem Marketing. Erfreulich war der Anblick der Burj-Baustelle trotzdem - vor allem, wenn ich aus Städten wie Bagdad, Beirut oder Gaza zurückkam und beim Anflug auf Dubai auf der richtigen Seite der Maschine saß: "Andere führen Kriege", hatten sich die Habsburger gesagt, "du, glückliches Österreich, heirate." Und du, glückliches Dubai, schienen sich sich jetzt die Scheichs zu sagen, wenn sie in ihre raue Nachbarschaft blickten, baust Türme.

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Motiv: Es der Welt zeigen

Im Irak traf ich 2007, mitten im Bürgerkrieg, einen Professor, der 30 Jahre vorher eine Delegation aus Dubai empfangen hatte. Bagdad war damals die modernste Stadt des Nahen Ostens gewesen und hatte auf dem Universitäts-Campus ein kleines Hochhaus errichtet. Dubai war ein kleines, unscheinbares Emirat. "So einen Turm wollen wir auch mal bauen", hätten die Scheichs damals geschwärmt, erinnerte sich der Iraker - und fügte im Rückblick resigniert hinzu: "Lass uns heute einmal die Türme in Bagdad und in Dubai zählen. Was haben wir im Irak eigentlich getan die letzten 30 Jahre?" Es der Welt, vor allem aber den arabischen Brüdern zu zeigen, war ein starkes Motiv für die Türmebauer von Dubai. Und wie anderen zuvor stieg auch ihnen der Erfolg dabei zu Kopf.


"The creators of the World"

Für 4000 Euro pro Quadratmeter boten sie 2005 Burj Dubai-Apartments zwischen Etage 60 und 120 an. Als die binnen 70 Minuten ausverkauft waren, versuchten sie es später noch einmal, mit 25.000 Euro pro Quadratmeter. Wer nur ein einzelnes Studio wollte, womöglich noch für sich selbst und nicht, um damit zu spekulieren, den verwies mancher Makler an seine Praktikanten: Die Chefs selber handelten am liebsten etagenweise. "The creators of the World" nannte sich damals, allen Ernstes, die Baufirma Nakheel - nachdem sie gerade den künstlichen Archipel "The World" hatte aufschütten lassen. Noch im Oktober 2008, als weltweit bereits die Immobilien-Panik ausgebrochen war, kündigte dasselbe Unternehmen den Bau eines 1000-Meter-Turms an, zu dessen Grundsteinlegung es dann freilich nicht mehr kam. Heute steht Nakheel, die Konkurrenzfirma der Burj Dubai-Gesellschaft Emaar, am Abgrund.

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"Als hätten Marsmenschen ihn hingestellt"

Auf höchst anschauliche Weise symbolisierte der Burj Dubai die Abgehobenheit, den allmählichen Realitätsverlust der Stadt: Anfang 2008 noch eine leicht erfassbare Betonstruktur, durch deren leere Etagen man den Himmel sehen konnte, überzog ihn bald darauf ein silberner Firnis und ließ ihn kalt und abweisend erscheinen. "Der Turm kommt mir plötzlich so unwirklich vor", sagte ein iranischer Freund von mir, ein Architekt, der ein paar Monate außer Landes gewesen war: "Als hätten Marsmenschen ihn hingestellt."

20 Milliarden Dollar teures Neubau-Gebiet

Das wiederum galt gar nicht für das zwei Quadratkilometer große, 20 Milliarden Dollar teure Neubau-Gebiet, das um den Turm herum entstand und heute zu den gefragtesten der Stadt gehört. "Downtown Burj Dubai", so sein Name, ist eines der wenigen Viertel der Autostadt Dubai, das sich bequem zu Fuß erkunden lässt - im Winter sowieso, im Sommer, indem man von einer klimatisierten Zone in die nächste schlendert.

Mit der Krise wurde Turm menschlicher

Und mit der Krise - und dem allmählich fortschreitenden Innenausbau - wurde der Turm auch wieder menschlicher. Die Stadt war endlich ihre Hybris los, und hinter der undurchdringlichen Glasfassade des Burj Dubai gingen mit Beginn der Dämmerung plötzlich die Lichter an. In ein paar Tagen werden im "Armani-Hotel" (Etage 1-8), in den Apartments (9-108) und auf der Aussichtsplattform (124) wohl auch die ersten Bewohner zu sehen sein. Bei den "Corporate Suites" (111-154) ganz oben wird das noch etwas dauern - Dubai hat viel zu viel Büroflächen, auch das eine Folge der Immobilienkrise.

Turm lässt sich kaum fotografieren

Was bleibt vom Turm - dreieinhalb Jahre nachdem wir ihn zum ersten Mal aus unserem Wohnzimmer betrachteten? Ein Gebäude, dessen Dimensionen manche meiner Freunde lächerlich finden, dessen Eleganz andere aber gegen jede Kritik verteidigen; ein Turm, der im Abendlicht eindrucksvoll glänzt, doch der so hoch ist, dass er sich aus der Nähe kaum fotografieren lässt - und schließlich wieder eine "Ikone" von Dubai, die, wie vor einem Jahr das "Atlantis-Hotel", mit einem Feuerwerk und einer extravaganten Licht- und Laser-Show eröffnet werden soll. Aufdringlich, großspurig und teuer sind sie, diese Feuerwerke, Licht- und Laser-Shows von Dubai. Man mag sie mögen oder nicht - doch immerhin: Sie sind auch friedlich. Was man von denen in Afghanistan, im Irak, im Jemen und in Gaza nicht sagen kann.

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Quelle: Spiegel Online

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