30.12.2010, 13:34 Uhr | Karsten-Thilo Raab
Nebelschwaden liegen über dem Wasser. Es blubbert und sprudelt, und ein leicht schwefeliger Duft liegt in der Luft. Am Beckenrand sitzt auf einem Holzschemel ein Mann, so wie Gott ihn geschaffen hat. Mit einem kleinen Eimer gießt er immer wieder Wasser über seinen Körper, um sich zu reinigen. Erst dann folgt der Gang ins Wasser. Bewundern Sie die japanische Badekultur in unserer Foto-Serie.
"Wir Japaner reinigen uns, um zu baden. Die meisten Europäer baden, um sich zu reinigen", erläutert Akito Uemura im feinsten Englisch einen der wichtigsten kulturellen Unterschiede zu den Bewohnern aus dem Land des Lächelns. Mehrmals jährlich reist der 43-jährige Bankangestellte aus dem nahe gelegenen Kumamoto nach Kurokawa, um dort in einem der 24 öffentlichen Bäder Entspannung und Erholung zu finden. Gespeist werden die Onsen, so der Name der natürlichen Warmwasserbäder auf Japans südlichster Hauptinsel Kyushu, von heißen Quellen. Kyushu gehört zu den vulkanisch aktivsten Regionen der Erde. Dort ist der Mount Aso, mit 128 Kilometern Umfang größte Vulkankrater der Welt, zu finden. An vielen Stellen der Insel tritt aus dem Erdboden das mineralhaltige Wasser heraus, das die Japaner längst als heiße Wohltat für sich entdeckt haben.
Darf man einem populären Volkslied Glauben schenken, so kann ein Onsen alles heilen, nur Liebeskummer nicht. Und so dienen die heißen Quellen nicht nur der Entspannung, sondern fördern die Durchblutung der Haut, lösen Krämpfe und Muskelverspannungen und tragen je nach Zusammensetzung des Wassers auch zur Heilung diverser Krankheiten bei. "Baden ist ein unverzichtbarer Teil unserer Kultur", versichert dann auch Akito Uemura, während er die wichtigsten Regeln dieses Rituals zusammenfasst: An der Kasse erhalten die Badegäste einen Waschlappen, Waschlotion, Kämme, Zahnpasta und eine Einwegzahnbürste. Die zur Verfügung gestellten Handtücher, Tenugui genannt, sind allerdings oft so klein, dass sie bei den im Vergleich zum Japaner oft größer geratenen Westeuropäern nur mit Mühe das verdecken, was sie verdecken sollen. Auch Holzlatschen stehen bereit. Diese sind allerdings ebenfalls auf die eher zierlichen Füße der Asiaten zugeschnitten.
In einem Vorraum des Onsen muss sich der Badegast seiner Kleidung entledigen und sie in den bereit gestellten Bastkörben ablegen. Dann nimmt er auf besagtem Holzschemel Platz, um sich mit Hilfe einer Schöpfkelle oder mit kleinen Holzeimern mit Wasser zu übergießen und den Körper gründlich mit Seife und Shampoo zu reinigen, gegebenenfalls auch zu rasieren. Erst danach wird der Zeh vorsichtig in den Onsen gehalten. Die 40 Grad Celsius, die das Wasser ganzjährig aufweist, sind deutlich heißer als das normale Wannenbad in unseren Gefilden. "Manche im Ort nutzen das Wasser sogar, um Eier darin zu kochen", versichert Akito Uemura mit einer Mischung aus Stolz und Faszination. Der Onsen selbst bleibt allerdings frei von Hühnerfrüchten. Gleichwohl hallt ein aufgeregtes Geschnatter herüber. Denn in dem streng abgetrennten Bereich für die Frauen hat das zarte Geschlecht sich einiges zu erzählen. Vielleicht von den hoch aufgeschossenen Langnasen, die nebenan ein Bad nehmen und dabei das Gefühl haben, eher im eigenen Saft zu brutzeln als im Eierkocher.
Allgemeine Auskünfte: Japanische Fremdenverkehrszentrale, Kaiserstraße 11, 60311 Frankfurt, Tel. 069/20353, Fax 284281, fra@jnto.de, www.jnto.de.
Lage: Kyushu ist die südlichste der vier japanischen Hauptinseln. Die vulkanische Insel im nördlichen Pazifik misst 42000 Quadratkilometer. Die größten Städte sind Fukuoka (1,4 Millionen Einwohner) und Kumamoto (700000 Einwohner), bekannteste Badeorte sind Beppu, Yufuin und Kurokawa.
Einreise: Bei Aufenthalten bis zu drei Monate genügt ein gültiger Reisepass.
Reisezeit: Mit Ausnahme der Regenzeit im Juni und Juli sind Japan und speziell Kyushu ein Ganzjahresziel. Besonders empfehlenswert sind März und April zur Zeit der Kirschblüte sowie die warmen Herbstmonate von September bis November.
Quelle: srt
Baldur schrieb:
am 8. November 2011 um 12:06:46
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Bitte auch bei uns
Ich komme aus der Thermalbäderstadt Wiesbaden und frage mich schon lange, warum man die Bäder bei uns in Deutschland
immer 08/15-mäßig mit blauen Kacheln und sterilen Umkleiden versehen muss: Wie wir am Beispiel der japanischen Onsen sehen, haben Naturbecken, direkt an der heißen Quelle (oder zumindest auf natürlich gemacht) einen großen Reiz. Würde ich mir auch hier wünschen - aber TÜV, VDE, Gesundheitsamt, Bauamt usw. haben sicher was dagegen - schade!
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Peter schrieb:
am 5. September 2010 um 20:42:34
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Ungarn
Diesen Kommentar kann nur "Jemand" schreiben, der noch nicht in Japan war! Ist kein Vorwurf!
Das Wasser mag zwar auch 40° heiß sein,
aber das ist auch schon alles!
Ansonsten ist Japan eine völlig andere und einzigartige Welt!
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bernd schrieb:
am 23. August 2010 um 14:11:25
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ungarn
wer so baden will muss nicht nach japan sondern kann das auch in ungarn tun ... heviz
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