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Bye-bye, Billigflieger

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Bye-bye, Billigflieger

23.05.2008, 17:07 Uhr | Andreas Spaeth, Spiegel Online

Billigflieger: Fliegt es sich mit ihnen wirklich am günstigsten? (Foto: srt)Billigflieger: Fliegt es sich mit ihnen wirklich am günstigsten? (Foto: srt)

Die Spritpreise steigen und steigen - und die Fluggesellschaften geben das direkt an ihre Kunden weiter: Jeder Koffer kostet seit dieser Woche beim Billigflieger Germanwings extra: "Damit soll angesichts der Rekordölpreise das Gesamtgewicht der Flugzeuge verringert werden und der Kerosinverbrauch sinken", heißt es beim Billigflieger aus Köln/Bonn, der in seiner Gebührenstrategie der irischen Fluggesellschaft Ryanair folgt. Auch viele andere Airlines erfinden angesichts der explodierenden Spritpreise Extraeinnahmequellen: TUIfly verlangt 25 Euro für die Reservierung eines Sitzes am Notausgang mit mehr Beinfreiheit. Und Lufthansa hat erst Mitte Mai erneut die Kerosinzuschläge erhöht.

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Geschäftsmodell der Billigflieger gerät ins Wanken

Das Geschäftsmodell vor allem der Billigflieger wie TUIfly, aber auch Air Berlin gerät durch die extremen Spritpreise ins Wanken. "Deren Margen sind ohnehin schon sehr gering, und die Kerosinzuschläge allein sorgen da auch oft nicht für genügend Einnahmen", sagt Luftfahrt-Analyst Jürgen Pieper vom Frankfurter Bankhaus Metzler zu Spiegel Online. Zumal diese Sprit-Aufschläge nicht beliebig erhöht werden können, "die meist privat reisenden Kunden der Billiganbieter sind sehr viel preissensibler als die oft geschäftlich fliegenden Passagiere von Liniengesellschaften", sagt Pieper. Da griffen die Airline-Manager lieber zu Maßnahmen wie der Germanwings-Koffergebühr, "das erhöht scheinbar die Entscheidungsfreiheit für den Kunden, ist tatsächlich aber eine verkappte Preiserhöhung", so Pieper.

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Billigflieger schlecht gegen Preisschwankungen abgesichert

Eines der Hauptprobleme der Billigflieger im Vergleich zu großen Liniengesellschaften ist, dass sie sich im geringeren Maße vor den Folgen bei Ölpreisschwankungen schützen, etwa durch Kurssicherungsgeschäfte und Terminkontrakte, dem sogenannten Hedging. Die Lufthansa etwa beschäftigt dafür eine ganze Abteilung von Spezialisten. "Wir sind aktuell zu rund 85 Prozent beim Sprit preislich abgesichert", sagt Lufthansa-Sprecherin Stefanie Stotz. "Das ist ein guter Wert", meint Analyst Jürgen Pieper, die Absicherung liege bei Liniengesellschaften üblicherweise zwischen 80 und 100 Prozent, "das verschafft ihnen mehr Planungssicherheit, während Billigflieger da sparen und meist bei Absicherungen von unter 50 Prozent liegen", so Pieper. Die aktuellen Maßnahmen zur Einführung diverser Extra-Gebühren gerade bei Billigfliegern "ist ein Ausdruck der Not, in der viele von ihnen deshalb jetzt kommen".

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Weitere Gebührenerhöhungen im Anmarsch?

Während die Lufthansa betont, eine Erhöhung der Kerosinzuschläge sei aktuell ebenso wenig geplant wie die Einführung zusätzlicher Gebühren wie etwa beim Gepäck, prophezeit Analyst Jürgen Pieper den Kunden von Billig-Airlines weiteres Ungemach: "Die Passagiere können sich schon mal darauf einstellen, dass denen noch weitere Dinge einfallen, für die sie extra zur Kasse bitten können."

Spritsparttrick: langsamer fliegen

Fluggesellschaften werden erfinderisch, wenn es darum geht, Sprit zu sparen. So hat die skandinavische SAS in dieser Woche angekündigt, mit nur noch rund 780 Stundenkilometern als bisher mit 860 Stundenkilometern, langsamer zu fliegen. Bereits seit 2006 wurde das Verfahren in Norwegen getestet und hat seitdem zu Einsparungen von zwölf Millionen Dollar geführt, teilte SAS mit. Ein 360 Kilometer langer Flug zwischen Oslo und Bergen hätte mit der geringeren Geschwindigkeit 130 Kilo Kerosin und 420 Kilo CO2 eingespart und nur drei Minuten länger gedauert, von Oslo nach Paris oder London dauere der Flug nun etwa zehn Minuten länger. Zum Ausgleich bemühe sich SAS, früher loszufliegen, wenn alle Passagiere rechtzeitig an Bord seien. Außerdem werde am Boden nur noch mit einem laufenden Triebwerk gerollt.

Spritfresser kommen in den Hangar

Auch Brussels Airlines hatte vor einem Monat angekündigt, nach hundert Wegen zu suchen, um effizienter zu fliegen. Die 30 in Europa eingesetzten Avro-Jets sollen 10 Stundenkilometer langsamer unterwegs sein und dabei im Jahr eine Million Euro einsparen, außerdem würden sie weniger Wasser an Bord nehmen, so die belgische Gesellschaft. Swiss hat in dieser Woche neue Business-Class-Sitze für ihre Langstreckenflotte vorgestellt, die ab Frühjahr 2009 angeboten werden. "Der neue Sitz ist jeweils vier Kilogramm leichter als sein Vorgänger, damit wollen wir jährlich über 650 Tonnen Kerosin einsparen", sagte Swiss-Chef Christoph Franz in Zürich. British Airways (BA) und Finnair planen, im kommenden Winter Teile ihrer Flotten stillzulegen. "Sie können damit rechnen, dass wir das im Winter machen", sagte BA-Chef Willie Walsh jetzt der "Sunday Times". Betroffen sein werden nach seinen Worten die ältesten Flugzeuge mit dem größten Verbrauch, die Boeing-Muster 737, 767 und 747.

Amerikanische Airlines noch stärker betroffen

Noch viel drastischere Maßnahmen allerdings müssen US-Airlines ergreifen. Im Gegensatz zu den Europäern, die den hohen Ölpreis durch den starken Euro noch abfedern können, schlägt der Anstieg in Nordamerika direkt auf die Bilanzen durch. Und die US-Fluggesellschaften sind dem Problem auch noch erheblich stärker ausgeliefert, weil sie über viel ältere und ineffizientere Flugzeuge verfügen als die europäische Konkurrenz. American Airlines will jetzt 75 Maschinen stilllegen, darunter vor allem die bis zu 24 Jahre alten Zweistrahler der Reihe MD-82- und -83. Gleichzeitig wird American ab 15. Juni bereits für das erste aufgegebene Gepäckstück 15 Dollar berechnen und für das zweite wie bisher schon 25 Dollar verlangen. Ausgenommen davon sind Reisende auf internationalen Strecken sowie Kunden mit teureren Tickets. "Ich erwarte, dass die anderen großen Gesellschaften dem mit Lichtgeschwindigkeit folgen werden", sagt Joe Brancatelli, Herausgeber eines Newsletters für Vielflieger, "und, ehrlich gesagt, erwarte ich, dass das zu absolutem Chaos an den Ticketschaltern im ganzen Land führen wird."

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Quelle: Spiegel Online

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