09.03.2010, 13:30 Uhr | Fabian von Poser
Urlaub trotz Reisewarnung. (Foto: Fabian v. Poser)
Vom Sudan über Nordkorea bis Moldawien - trotz Unrechtsregimen und Terroranschlägen finden immer häufiger auch ausgefallene Reiseziele den Weg in die Kataloge der Veranstalter. Klicken Sie sich durch die schönen, aber auch gefährlichen Reiseziele in unserer Foto-Serie.
Amir tritt ins Pedal. Der Motor faucht, die Federn rasseln, der Wagen schwankt. Wie ein Gummiball hüpft der Toyota zwischen den Dünen hin und her. Benommen schwappt das Auto über die Sandberge. Wie ein Aquarell liegen die Dünen da, wie gleichförmige Schlangenlinien auf ein Blatt Papier gezogen die kleinen Wellen, die der Wind in den Sand gezeichnet hat. Dann stehen sie plötzlich vor uns: Zu groß geratenen Zuckerhüten gleich recken die Pyramiden von Meroë ihre Häupter in den Himmel. Feuerrot lodern ihre Spitzen im Sonnenuntergang. Dahinter wechselt das Firmament quasi sekündlich seine Farbe, so als ziehe jemand buntes Cellophanpapier am Horizont entlang. Von tintenblau zu zitronengelb zu ziegelrot.
"Die Nubier waren ein großes Volk, ein mächtiges Volk", sagt Amir geheimnisvoll, als die Sonne im Nil versinkt. Von 2500 vor Christus bis 350 nach Christus herrschte der nordafrikanische Volksstamm über weite Teile des heutigen Sudan und das südliche Ägypten. Schon früh übernahmen die Nubier Elemente der ägyptischen Kunst, auch die Gräberkultur kopierten sie. Rund 120 Pyramiden zählt alleine die Nekropole von Meroë, insgesamt 210 sollen es im Sudan sein - mehr als in ganz Ägypten. Kaum ein Europäer hat den Ort in den vergangenen fünf Jahrzehnten betreten. Seit 1956 kommt der größte Staat Afrikas nicht zur Ruhe. Doch neuerdings bieten einige Reiseveranstalter wieder Touren in das Land am Nil an. Nicht in den Westen nach Darfur, wo die Reitermiliz Djandjawid gemeinsam mit der Regierung in Khartum skrupellos gegen schwarzafrikanische Zivilisten vorgeht, sondern in den Norden an der Grenze zu Ägypten.
Immer häufiger finden exotische Ziele den Weg in die Reisekataloge. "Man mag ein Regime wie im Sudan nicht befürworten", sagt Edwin Doldi, Sicherheitsbeauftragter beim Münchner Studienreiseanbieter Studiosus. "Aber das Land ist kulturgeschichtlich ungemein interessant. Und der Norden ist problemlos zu bereisen." Die Idee zu einem neuen Land oder einer neuen Region komme in der Regel von einem Reiseleiter, einem der Produktmanager oder einer Reiseagentur vor Ort, sagt Doldi. "Das oberste Gebot bei der Auswahl ist immer die Sicherheit des Reisegastes."
Der Sudan ist nur eines von vielen Zielen, die in den vergangenen Jahren den Weg auf die touristische Landkarte gefunden haben. Das erste Mal seit langem findet sich auch Kolumbien wieder im Angebot der Veranstalter. Jahrelang kämpften linksgerichtete FARC-Rebellen gegen die Regierung in Bogotá. Immer wieder kam es zu Entführungen. Inzwischen hat sich die Sicherheitslage stark verbessert und Gruppenreisen können wieder ohne Risiko durchgeführt werden. Ähnlich erging es dem Libanon. Seit der Präsidentenwahl 2008 und der Beteiligung der Opposition an der Regierung ist das Land wieder ohne Bedenken bereisbar. Der Münchner Veranstalter FTI hat dem Libanon jüngst sogar einen eigenen, 52 Seiten starken Katalog gewidmet. Wenn es nach Dietmar Gunz, Vorsitzender der FTI-Geschäftsführung, geht, so soll Beirut in Zukunft sogar Städtereisezielen wie Barcelona oder Istanbul Konkurrenz machen. "Das Potenzial dazu hat die Stadt."
Doch auf der Suche nach neuen Zielen geht es nicht immer nur darum, die Boomziele von morgen aufzuspüren, sondern auch wirkliche Exoten anzubieten. So hat vor einiger Zeit Nordkorea den Weg in die Kataloge gefunden. In dem laut den USA zur "Achse des Bösen" zählenden Norden kann der Besucher noch ein einzigartiges politisches Relikt bestaunen: das System des Staatskommunismus. "Es sind vor allem Stammgäste und erfahrene Reisende, die solche ausgefallenen Ziele buchen", sagt Edwin Doldi von Studiosus. "Die Nachfrage bewegt sich hier freilich auf relativ geringem Niveau." Selbst in Europa werden noch neue Ziele entdeckt. Zum Beispiel Moldawien. Seit der Unabhängigkeit von Russland 1991 ist das Land souverän. Zwar setzen die Konflikte zwischen dem westlichen und stärker an Rumänien angelehnten und dem östlichen, an Russland angelehnten Teil fort. "Diese ethnische, religiöse und ideologische Vielfalt und das reiche Erbe der orthodoxen Klöster machen Moldawien aber zu einem äußerst interessanten Studienreiseziel", heißt es beim Königsteiner Reiseanbieter Ikarus Tours, der das Land seit 2005 im Programm hat.
Selbst ein Ziel wie der Irak ist für die Veranstalter nicht grundsätzlich tabu. Seit dem Einmarsch US-amerikanischer Truppen 2003 befindet sich das Land offiziell im Ausnahmezustand. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen dorthin. Doch das könnte sich bald ändern. Zwar ist bis heute in Bagdad keine internationale Hotelkette mehr vertreten. Das irakische Tourismusministerium plant jedoch schon jetzt für die Zeit, wenn wieder Sicherheit eingekehrt ist am Tigris. Zwischen zwei und fünf Milliarden Euro sollen allein für einen neuen Tourismuskomplex auf der etwa zwei Quadratkilometer großen Hochzeitsinsel im Tigris in Bagdad ausgegeben werden. Geplant sind mehrere Luxushotels, Wellness-Anlagen, ein Yachthafen, Boutiquen, Restaurants und ein Golfplatz. Reiseveranstalter wie der kalifornische Anbieters Distant Horizons und die französische Firma Terre Entière bieten bereits seit 2008 wieder Reisen in den Norden des Landes an. Auch deutsche Veranstalter verfolgen das Geschehen mit Spannung. Zu den Hauptattraktionen zählen die Bibelstadt Babylon, die sumerischen Königsstädte Ur und Uruk, die assyrischen Metropolen Nimrud, Ninive und Assur, die parthischen Ruinen von Hatra sowie die den Moslems heiligen Städte Kerbela, Nadschaf und Samarra.
Auch ein anderes exotisches Ziel könnte schon bald eine Renaissance erleben: Afghanistan. Seit vielen Jahren taucht das Land am Hindukusch erstmals wieder auf der touristischen Landkarte auf. Einheimische Veranstalter bieten schon jetzt wieder Touren zu den 2001 von Talibankriegern gesprengten Buddha-Statuen von Bamian an, unternehmen Trekkingtouren in die nördliche Provinz Badakhshan, Snowboard-Touren in den Hindukusch und Rafting auf dem Panshir River.
Aber kann ich als Gast überhaupt bedenkenlos in Länder reisen, in denen Unrecht, Entführungen und Gewalt auf der Tagesordnung stehen? "Diese Länder zu isolieren bringt den Menschen vor Ort meiner Überzeugung nach gar nichts. Sie ihrem Schicksal zu überlassen, ist der falsche Weg", sagt Edwin Doldi. "Wir sind der Auffassung, dass ein Tourismus, der sich sozialverträglich nennt und nicht nur nimmt, sondern den Bereisten auch etwas gibt, den Reisenden und den Menschen in den Ländern Vorteile bringt." Das gelte für viele Länder dieser Kategorie. In Burma zum Beispiel, wo seit Jahren ein Militärregime regiert, unterstütze sein Unternehmen eine Klosterschule durch die Anschaffung medizinischer Geräte für die Schulklinik, so Doldi. "Die Lehranstalt besuchen rund 6500 Schüler - und unsere Gäste im Rahmen von Studienreisen. Das bringt beiden Seiten etwas."
Weitere Informationen:
Sudan: Die 14-tägige Expeditionsstudienreise "Sudan - im Reich der schwarzen Pharaonen" kostet bei Studiosus (www.studiosus.com) ab 4295 Euro pro Person.
Kolumbien: Die 14-tägige Erlebnisreise "Unentdecktes El Dorado" ist bei Gebeco (www.gebeco.de) ab 2895 Euro pro Person buchbar.
Nordkorea: 17-tägige Studienreise "Nord- und Südkorea - die umfassende Koreareise", buchbar bei Studisosus (www.studiosus.com) ab 4590 Euro pro Person.
Moldawien: Ikarus Tours (www.ikarus-tours.de) hat eine achttägige Reise "Unbekanntes Moldawien" ab 1735 Euro pro Person im Programm.
Irak: Der US-amerikanische Veranstalter Distant Horizons (www.distanthorizons-usa.com) bietet eine zwölftägige Reise unter dem Titel "The changing faces of Iraqui Kurdistan" für 5890 US-Dollar, umgerechnet etwa 4200 Euro, an. Auch der französische Kulturreiseveranstalter Terre Entière (www.terreentiere.com) hat den Nordirak im Programm.
Afghanistan: Great Game Travel Company (www.greatgametravel.com) und Afghan Logistics and Tours (www.afghanlogisticstours.com) bieten verschiedene Touren durch Afghanistan an.
Quelle: srt
edward schrieb:
am 14. März 2010 um 14:50:17
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reise
jeden der in diese Länder reist sollte man dort lassen wenn er entfürt wirs ich sehe schon die Frau heulend im Fernsehen holt
meinem Mann heraus aber bitte mit Steuergeld,sowas nervt einen an.
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Suelzer schrieb:
am 13. März 2010 um 22:13:23
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es gibt schlimmeres
wieso ist Neukölln nicht auf der Listei?
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Pedro I. schrieb:
am 13. März 2010 um 16:56:56
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Gewagte Reiseziele
Einladung an exotische Kidnapper: Entführt ruhig dämliche, vergnügungssüchtige deutsche Touristen. Auch wenn sie die
heimischen Steuerzahler nach Strich und Faden belügt: Die deutsche Regierung zahlt garantiert jede gewünschte Summe Lösegeld und lässt sich dafür auch noch als ungeheuer staatstragend feiern.
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