19.10.2010, 11:34 Uhr
"Ich denke, die Schönheit dieser Stadt sind ihre Menschen", hat der italienische Architekt Renzo Piano einmal über Köln gesagt. Charmanter lassen sich die städtebaulichen Defizite der rheinischen Frohsinnsmetropole wohl nicht umschreiben. Doch Köln macht sich: Architektonisch ein echter Hingucker ist der neue Kulturkomplex am Neumarkt, der ein Völkerkunde- und ein Mittelalter-Museum vereint. Schauen Sie sich das Museum in unserer Foto-Serie an.
15 Jahre haben die Kölner daran gearbeitet. Der Fleck, auf dem der Bau jetzt steht, erlangte zeitweise traurige Berühmtheit als das Kölner Loch - eine Brachfläche mitten im Zentrum. Die Stadt hatte dort eine Kunsthalle abgerissen und dann festgestellt, dass ihr zum Neubauen das Geld fehlte. Aber jetzt hat es doch noch geklappt. Der Komplex der Architekten Heiner Sendelbach und Uli Schneider ist ein festungsartiger Ziegelbau, der von einem Lichthof mit großzügigem Foyer durchschnitten wird. Seine spröde Monumentalität passt gut nach Köln, wo man es seit Fertigstellung des Doms nicht mehr so hat mit der Effekthascherei.
Drinnen präsentieren sich zwei Museen, die viel besser sind als ihre Namen vermuten lassen. Das eine nennt sich drollig Schnütgen, das andere sperrig Rautenstrauch-Joest. Bisher war das ein Völkerkundemuseum. Aber bei Völkerkunde denkt man heute an Baströcke, Federschmuck und Missionare im Kochtopf. Deshalb ist es nun ein Museum für die Kulturen der Welt. Der Leitgedanke ist: Wie gehen Menschen in anderen Teilen der Welt mit den großen Fragen des Lebens um? Beispiel Tod: Bei uns wird er verdrängt, andere Kulturen tun das nicht. "Dort gibt es große, farbenprächtige Begräbnisprozessionen, oder die Angehörigen werden noch lange nach ihrem Tod in die Familie integriert, indem man mit ihnen spricht oder ihnen Opfergaben darbringt", sagt die stellvertretende Direktorin Jutta Engelhard.
Hinter dem Namen Schnütgen verbirgt sich ein großes Mittelalter-Museum, das bisher aber klein erschien, weil es viel zu wenig Platz hatte. Jetzt erstreckt es sich außer auf die unmittelbar angrenzende romanische St. Cäcilien-Kirche auch auf den Neubau. Das Museum verfügt über absolute Top-Stücke, darunter einen 1000 Jahre alten Jesus am Kreuz, der aussieht, als wäre er vor 100 Jahren von dem Expressionisten Ernst Barlach geschnitzt worden. Schätzwert im achtstelligen Bereich. Zeitlos schön auch die Glasmalereien aus rheinischen Kirchen: Da sieht man jede Träne, jede Hautfalte.
Noch filigraner sind die Heiligenfiguren, die winzig klein aus Obstkernen geschnitzt wurden. Und dann das Tischsargerl - eine Leiche, die gerade vom Ungeziefer zerfressen wird. So was hatten Machtmenschen früher auf dem Schreibtisch stehen, damit sie gar nicht erst größenwahnsinnig werden konnten. Köln trieb im Mittelalter ein groß angelegtes Merchandising mit seinen Heiligen. Wenn man richtig Geld hatte, konnte man sich einen ganzen Schädel kaufen, der in einer praktischen Tragetasche in Gestalt eines aufklappbaren Holzkopfes verstaut wurde. Für den Durchschnittstouristen gab's angenehm leichte Reliefs aus Pappmaché oder Pfeifenton-Männchen, die als Massenware hergestellt wurden. Köln war damals eine der europäischen Top Five Destinations, von Berlin sprach noch keiner. Es hieß zur Hälfte sogar Cölln. Wenn der Komplex am Freitag (22. Oktober) eröffnet wird, gibt's mal wieder einen Grund, die Stadt am Rhein zu beehren. Es muss ja nicht immer nur Berlin sein - finden die Kölner.
Quelle: dpa
Kunstbanause schrieb:
am 22. Oktober 2010 um 11:27:14
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Museum
Völlig unnütz. Kostet nur Geld. Man sollte dieses Geld denjenigen zur Verfügung stellen, die es "wirklich" brauchen. Und davon gibt
es leider mehr als genug auf dieser Welt!!!
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