01.02.2012, 13:46 Uhr | Markus Roman
Etwas Aufruhr gab es im Sommer, als bekannt wurde, dass in China eine Kopie des österreichischen Dorfes Hallstatt entstehen soll. Jetzt ist das künstliche Alpendorf in der südchinesischen Provinz Guangdong fast fertig und steht vor einem Problem: Niemand will in die Nachahmung des UNESCO-Welterbes einziehen. Das ergaben Recherchen des Reporters Simon Parry der britischen "DailyMail", der sich als potentieller Käufer getarnt im Asien-Hallstatt umsehen konnte. Sehen Sie das Original und die Kopie Hallstatts auch in unserer Foto-Show.
Um die Illusion zu perfektionieren, scheuen die Chinesen keine Mühen. Neben den sehr detailgetreuen Nachbauten der Gebäude sollen sogar extra Pferdegespanne und Tauben importiert werden. Sogar Bäume wurden schon eingeflogen, dafür Bambus und andere subtropische Fauna entfernt. Für die Zukunft versprechen Werbebroschüren ganzjährig blühende Alpenblumen, eine Wienersche Konditorei, eine Art Hofbräuhaus und einen romantischen Dorfplatz. Hochwertige europäische Restaurants und eine internationale Schule sind ebenfalls versprochen, sowie ein Swimming Pool auf dem Gipfel eines der umliegenden Hügel. Bis Mai sollen die exklusiven Unterkünfte im Asien-Hallstatt fertig sein.
Trotz der Bemühungen gibt es bei der Kopie jedoch laut Parry auch einige Unstimmigkeiten. So sieht die Kirche in China zwar fast exakt wie das Original aus, doch als Kirche wird sie wegen der in China eingeschränkten Religionsfreiheit kaum genutzt werden. Laut dem chinesischen Makler soll sie stattdessen entweder als Restaurant, Sporthalle oder Konzertsaal dienen. Außerdem wird das chinesische Hallstatt eine Nachbildung der Getreidegasse enthalten, in der Mozart geboren wurde. Das Original findet sich allerdings nicht in Hallstatt, sondern Salzburg.
Auch die Umgebung lässt die Hallstatt-Nachbildung surreal erscheinen. So ist der künstlich angelegte See nur ein Fünftel so groß wie der echte Hallstätter See und laut Parry ziemlich verschlammt. Und wird das österreichische Original im Salzkammergut von majestätischen Alpengipfeln umrahmt, müssen bei der asiatischen Kopie ein paar braune Hügel herhalten. Auch mit frischer Bergluft oder weiter Aussicht kann die Nachahmung nicht punkten. Die Dorf-Kopie liegt in der Provinz Guangdong, die vor allem für Industrie bekannt und in der die Luftverschmutzung besonders hoch ist.
Umgerechnet kosten die Nachbauten der ursprünglich 300 Jahre alten Häuser am Seerand zwischen 240.000 und 600.000 Euro. Das sei laut Parry mehr, als eines der Originale in Österreich kosten würde. Doch bislang finden sich keine Käufer für Immobilien in dem laut Makler "einzigen authentischen österreichischen Dorf in ganz China". Einer der Gründe ist der einbrechende Immobilienmarkt Chinas. Die Hoffnung für die Zukunft ruht neben chinesischen Investoren auf heimwehkranken Europäern und Amerikanern, die in der Region arbeiten und sich für die falsche Alpenidylle begeistern sollen.
Weder die Kopien europäischer Vorbilder, noch die schlechten Verkaufszahlen sind jedoch in China etwas Neues. Auch die Wohnungen des 2006 erbauten Stadtteils German Town Anting in der Nähe Schanghais verkaufen sich kaum. Die von einem deutschen Architekturbüro geplante Siedlung sieht aus wie eine typische mittelgroße deutsche Stadt, mit vom Bauhaus-Stil inspirierter Architektur und Platz für 20.000 Einwohner. Im Jahr 2005 entstand in der Nähe von Chengdu British Town, die das englische Dorchester kopiert. Ein Jahr später wurde Thames Town in der Nähe von Shanghai fertiggestellt, eine naturgetreue Nachbildung eines englischen Städtchens. Auch hier stehen die Gebäude leer, die künstlich-pittoreske Kulisse dient heute hauptsächlich für Hochzeitsfotos. Und nur 75 Kilometer vom chinesischen Hallstatt finden sich Villen im Schweizer Stil, die seit fünf Jahren fertig sind und trotzdem noch keine Käufer gefunden haben. In Österreich nimmt man die Kopie in der Zwischenzeit gelassen. Auf der Website des echten Hallstatt prangt in der Zwischenzeit der Slogan: "Millionenfach fotografiert – einmal kopiert – nie erreicht".
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Quelle: mro
Annie schrieb:
am 1. Februar 2012 um 19:27:36
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Thema: "Kopiertes Österreich-Alpendorf: Niemand will in Chinas Hallstatt wohnen
Na, die Amis bauen ja auch unser Sachen nach,nur mal z.b. das Oktoberfest
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Leser der Kommentare schrieb:
am 1. Februar 2012 um 19:22:26
(64)
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Uns gefallen ja auch China-Restaurants
In D wohnen einige gerne in Reetdachhäusern (keine Ahng. warum), einige in Alpenhäusern, unabhängig
von der Region. Wenn den Menschen in China Hallstadt gefällt: Möge es ihnen gefallen - uns gefallen ja auch China-Restaurants (in D und in China). Und das Thema "Japan und Heidi" ist wirklich apart (positiv gemeint).
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Kassandra schrieb:
am 1. Februar 2012 um 19:15:39
(49)
(1)
China-Kopien
Im Barock war alles chinesische in Europa große Mode. Alle Herrscher wollten Schlösser und Pavillons im Chinoiserie-Stil
haben. Im 21.Jahrhundert begeistern sich eben die Chinesen für europäische Architektur. Gibt es ein größeres Kompliment als die Nachahmung? Leider kann sich der Durchschnittschinese das meist nicht leisten.
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