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Kulturreisen in die Zeitgeschichte: 20 Jahre Mauerfall

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Vom Checkpoint in den Bunker

19.01.2009, 13:30 Uhr

Die Berliner Mauer: Mit Graffiti besprühtes Mahnmal (Foto: Koch/visitBerlin) Die Berliner Mauer: Mit Graffiti besprühtes Mahnmal (Foto: Koch/visitBerlin)

Am 9. November 1989 fiel die Mauer, die Ost- von Westdeutschland trennte. Im Jahr 20 danach erinnern jede Menge Ausstellungen und Aktionen an das geteilte Deutschland. Es lohnt sich, in Berlin und an anderen Orten auf Spurensuche zu gehen. Wir sagen Ihnen, welche Abstecher unbedingt auf dem Programm stehen sollten - auch in unserer Foto-Serie.

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Hamburg: Die Wende im Kleinformat

Die erste Empfehlung findet sich nicht in der Hauptstadt, sondern in Hamburg. Im Miniatur-Wunderland, einer riesigen Modelleisenbahnanlage in der Speicherstadt an der Elbe, erzählen sieben Dioramen die Geschichte der deutschen Teilung. Damit können schon Schüler die Epoche des Kalten Krieges besser verstehen. In den Dioramen sind winzige Modelle amerikanischer und sowjetischer Panzer, die durch das zerstörte Berlin rollen, zu sehen sowie die Ereignisse vom Mauerbau bis zum Öffnen der Schlagbäume zwischen Ost und West, als Tausende von DDR-Bürgern nach Westberlin strömten. Insgesamt rund 2000 Figuren haben die Ausstellungsmacher verbastelt und 2000 Stunden Arbeit in die Modelle gesteckt. Die Schaubilder sind noch bis Ende Februar im Wunderland zu bestaunen.


Schneller ans Ziel kommen Mit dem Routenplaner

Marienborn und Helmstedt: Die Zonengrenze erleben

Deutlich ernster geht es im Zonengrenz-Museum Helmstedt zu. In fünf Abschnitten zeigt die Ausstellung die Geschichte der innerdeutschen Grenze. Besonders beeindruckend ist das Stück nahezu original aufgebauter Zonengrenze mit dem typischen Streckmetallzaun, Warnschildern, Minen und Selbstschussanlage. Ein paar Kilometer weiter liegt die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn. Ältere Besucher werden sich gut an die eingehenden Kontrollen der DDR-Grenzer erinnern, wenn sie im Transit aus Westdeutschland nach Berlin reisten. Die Grenzübergangsstelle, die bis Mitte 1990 in Betrieb war, steht heute unter Denkmalschutz. Gäste können allein über das Gelände streifen oder sich bei einer Führung die einzelnen Gebäude erläutern lassen. Zwischen Mai und Oktober werden beide Gedenkstätten auf der dreieinhalbstündigen "Rundfahrt Grenzenlos" angesteuert. Zusätzlich fahren die Busse zum Grenzort Hötensleben, wo die Teilnehmer einen früheren Beobachtungsturm erklimmen können. Die Fahrt beginnt und endet in Helmstedt.

Checkpoint Bravo: Charlies kleiner Bruder

Mit dem Auto ist man von Marienborn aus in weniger als zwei Stunden in der Bundeshauptstadt. Nahezu vergessen liegt dort der "Checkpoint Bravo", der Kontrollpunkt Drewitz. Er steht ganz im Schatten des berühmten Bruders "Checkpoint Charlie". Schade, denn zum einen können sich Besucher angesichts der schlichten Gebäude des Abfertigungsbereichs gut in die Stimmung vieler Reisender aus früheren Zeiten versetzen. Und außerdem hat ein Verein den - heute unter Denkmalschutz stehenden - früheren Kommandantenturm gerettet. Im Jubiläumsjahr soll dort ein kleines Museum eröffnet werden.

Mauermuseum erzählt von Fluchtversuchen

Am Checkpoint Charlie erklärt das Mauermuseum, wie der "Ring um Berlin (West)" aufgebaut war. Zu sehen sind auch die 3,60 Meter hohen Stahlbetonelemente mit dem Rohr darauf, die das Überklettern erschweren sollten. Vor allem ist die Ausstellung aber den zahllosen Fluchtversuchen gewidmet, von denen längst nicht alle glückten. Mitten auf der Straße vor dem Museum steht die wohl bekannteste Grenzkontrollbaracke. Sie wurde einst von den US-Streitkräften errichtet, 1990 abgerissen, später jedoch als Replik neu aufgebaut. Sie ist heute ein beliebtes Fotomotiv.

Zweistündiger Rundgang "20 Jahre Mauerfall"

Am Kontrollpunkt ist auch der Treffpunkt für den zweistündigen Rundgang "20 Jahre Mauerfall". Dabei geht es vorbei an 112 Metern echter Berliner Mauer und an der Open-Air-Dokumentation "Topographie des Terrors". Weiter führt die Tour entlang des ehemaligen Todesstreifens bis zum Potsdamer Platz. Der Streifzug, der über historische Schauplätze ebenso führt wie durch die aktuellen Gebäude der Bundespolitik, endet am Brandenburger Tor, dem Symbol des vereinten Berlins.

Mauer-Geschichte entlang radeln

Wer mehr sehen möchte, der erschließt sich die Innenstadt der Hauptstadt auf dem Fahrrad. Der Veranstalter Berlin on Bike bietet eine "Mauer-Tour" an, die sich immerhin 15 Kilometer weit erstreckt. Vier Stunden dauert die Fahrt auf Leihrädern. Dabei entdecken die Teilnehmer so beeindruckende Konstruktionen wie den Grenzübergang Bornholmer Straße, der 1989 als erster geöffnet wurde. Auch der Mauerpark, ein einstiger Geisterbahnhof, auf dem Westberliner U-Bahnen nicht halten durften, sowie ein alter Wachturm mit Gedenkstätte stehen auf dem Programm. Los geht es mitten im Trendbezirk Prenzlauer Berg.

Rund um den 9. November viele Ausstellungen

Während die Touren und Ausflüge nicht unmittelbar an den 9. November gebunden sind, geht es rund um den 20. Jahrestag zu verschiedenen Ausstellungen. Da ist etwa die Ausstellung "Kunst und Kalter Krieg" im Deutschen Historischen Museum, in der Spuren des Wirtschaftswunders ebenso sichtbar werden wie nonkonforme DDR-Kunst. "Wir waren so frei ..." im Filmmuseum zeigt Bilddokumente aus der Zeit von 1961, dem Jahr des Mauerbaus, bis zur Wiedervereinigung.

Atombunker Harnekop

Wer genug hat vom Trubel in der Spreemetropole, der fährt aus Berlin hinaus und etwa 40 Kilometer weiter nach Osten. In Harnekop liegt der Führungsbunker, in dem die Spitzen der Regierung und der Nationalen Volksarmee übten und sich im Ernstfall hätten verschanzen können. Zu besichtigen sind die alten Computerschränke ebenso wie der Speiseraum, das Lagezentrum mit den riesigen Karten und das Arbeitszimmer des Verteidigungsministers. Vor mehr als 30 Jahren wurde der riesige Schutzbau, atombombensicher und weitgehend autark, errichtet. Die Beklemmungen, die sich bei einer Führung durch die unterirdischen Schutzräume einstellen, sind dagegen ganz aktuell.

Weitere Informationen:

Miniatur-Wunderland Hamburg, Kehrwieder 2-4, Block D, 20457 Hamburg, Internet: www.miniatur-wunderland.de;

Zonengrenz-Museum Helmstedt, Südertor 6, 38350 Helmstedt, Tel. 05351/1211133, Internet: www.grenzdenkmaeler.de;

Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn, an der A 2, Tel. 039406/9209-0, Fax 9209-9, Internet: www.grenzdenkmaeler.de, Führung nach telefonischer Anmeldung;

Rundfahrt Grenzenlos, Mai bis Oktober, jeden 4. Samstag im Monat, Abfahrt im Zonengrenz-Museum Helmstedt, Anmeldung erforderlich unter Tel. 05351/177777, 10 Euro pro Person;

Checkpoint Bravo, Erinnerungs- und Begegnungsstätte Grenzkontrollpunkt Dreilinden/Drewitz, Bärlappsenke 2, 14532 Kleinmachnow, Internet: www.checkpoint-bravo.de;

Checkpoint Charlie, Mauer-Museum, Friedrichstr. 43-45, 10969 Berlin, Tel. 030/25296245, Fax 2512075, Internet: www.mauermuseum.de, geöffnet täglich von 9.00 Uhr bis 22.00 Uhr;

"Berlin on Bike", Die Mauer-Tour, Knaackstr. 97, 10435 Berlin, Tel. 030/43739999, Fax 50367819, E-Mail: info@berlinonbike.de, Internet: www.berlinonbike.de, ab 24.3.2009 täglich um 10 Uhr, Montag, Mittwoch und Samstag zusätzlich 15 Uhr, 18 Euro pro Person inklusive Fahrrad;

Deutsches Historisches Museum, Zeughaus, Unter den Linden 2, 10117 Berlin, Tel. 030/2030-4444, Internet: www.dhm.de, geöffnet täglich von 10 Uhr bis 18 Uhr, "Kunst und Kalter Krieg" vom 3.10.2009 bis 10.1.2010;

Filmmuseum, Potsdamer Straße 2, 10785 Berlin, Tel. 030/300903-0, Fax 300903-13, Internet: www.filmmuseum-berlin.de, geöffnet von 10 Uhr bis 18 Uhr, Eintritt 6 Euro, "Wir waren so frei ..." vom 1.5. bis 9.11.2009;

Atombunker Harnekop, Lindenallee 1, 15345 Prötzel/Harnekop, Tel./Fax 033436/35727, Internet: www.atombunker-harnekop.de, Führungen von März bis Oktober dienstags bis freitags um 12 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen um 10, 12, 14 und 16 Uhr, Eintritt 10 Euro.

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Quelle: srt

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