11.08.2008, 09:20 Uhr
Liparische Inseln: Blick von Lipari auf Vulcano (Foto:srt/G.Merk)
Ein Bad im Urschlamm, ein Feuerstrahl auf der Bergspitze und ein Meer in Türkis: Die Liparischen Inseln lassen einen so leicht nicht mehr los. Man erreicht sie im Dreisprung: per Flugzeug bis Catania (Sizilien), per Bus bis Milazzo, den Rest mit dem Tragflächenboot. Klingt kompliziert, geht aber wie geölt. Sehen Sie selbst in unserer Foto-Serie.
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Das erste Eiland voraus trägt die Male seiner feurigen Geburt. Eine Steilküste mit wüsten Verwerfungen, senkrechten Lavaschloten, verquirlte Schichten wie Marmorkuchen. Diese Inselwelt ist vor Jahrtausenden mit vulkanischer Wucht aus dem Meer gestiegen. Und in der Schmiede von Feuergott Vulcanus glüht noch immer die Glut. Willkommen auf Vulcano!
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Am Fuß des Hügels vergnügen sich aschgraue Gestalten in einem Teich aus warmem Schlamm. Nun, wenn's der Gesundheit dient. Schon die Römer kurierten hier ihr Rheuma. Und jetzt eben dieses ältere Ehepaar aus Karlsruhe, Stammgäste seit fünf Jahren. Hilft's denn? "I wo, aber Spaß macht's!" Und wie das hilft! Da muss Caterina Conti protestieren. Die Dame im luftigen Sackkleid schwört auf die heilende Wirkung bei Neurodermitis. Ihr Hotel Conti steht an einem Strand aus warmem schwarzem Sand. Auf dem hat sich schon Anna Magnani geaalt, 1949, als der Film "Vulcano" gedreht wurde.
Ein halbes Stündchen nur und Lipari tut sich auf. Erst der pittoreske Fischerhafen, dann der Fährenkai. Dazwischen der imposante Burgfelsen mit der Kathedrale San Bartolomeo. Die Kunst der Siedler wird im archäologischen Museum eindrucksvoll präsentiert: attische Vasen, römische Amphoren und spanische Kanonen. In den schmalen Gassen darunter pulst schon morgens das Leben. Später am Tag gehört die stille Siesta den Blumen: Vor allem weißer und roter Oleander blüht an vielen Stellen. Abends rücken die Alten ihre Stühle ins Freie. Ein buntes Volk in Flatterkleidchen und Bermudas flaniert über die Via Garibaldi. Boomzeit für die Läden mit Schmuck aus schwarzem vulkanischem Glas, dem Obsidian. Und für Bars und Ristoranti wie das "Filipino", das schon seit fast hundert Jahren floriert.
Die bewundernswerte Ansicht soll bewahrt bleiben. Deshalb wurden auf Druck der UNESCO im Vorjahr die Bimssteinbrüche stillgelegt. Man passiert sie auf dem Weg zur Nachbarinsel. Weiße Wunden im Leib der Insel mit rostenden Laufbändern und witternden Werkhallen. Salina, "die Grüne" ist da ein rechter Augentrost. Zwei Vulkankegel teilen sich das Eiland. Im Tal dazwischen wächst Wein. Jener Malvasia, den Spezialisten aus getrockneten Trauben zum schweren, süßen Passito pressen.
Die Touristen zieht der Berg magisch an: In drei Stunden zu Fuß auf fast 1000 Meter Höhe. Der Aufstieg ist schattig, hier wachsen über Farnen und wildem Knoblauch hohe Pinien und Esskastanien. Vom Gipfel geht der Blick über den ganzen Archipel bis zum Festland. Das Wirtshaus zum Postmann in Pollara ist nach dem Film "Il Postino" benannt, der hier 1994 gedreht wurde. Es geht um das Exil des späteren Nobelpreisträgers Pablo Neruda. Sein Haus steht drüben am Hang - und vor uns ein Teller Spaghetti mit Sardellen.
Das Feuerwerk ist immer der Höhepunkt. Und dazu muss es Nacht sein. Zwei Stunden pflügt das Boot abends in Richtung Stromboli. Vorbei an der Modeinsel Panarea, wo die Reichen und Schönen in Golfcarts unterwegs sind. Vorbei an Lisca Bianca, wo im blaugrünen Wasser Stränge schwefeliger Gasblasen empor wirbeln. Wie ein spitzer Napfkuchen baut sich im Abendrot der Vulkan auf: 924 Meter hoch, scheinbar kühl wie die Abendbrise. Doch drinnen brodelt's. Am ehesten ahnen das jene Touristen, die mit dem Guide nun zum Krater aufsteigen und das Grollen spüren. Entlang der Sciara del Fuoco führt ihr Weg in die zunehmende Finsternis. Die Sciara, das ist die Feuerrutsche, über die vor einem Jahr die Lava bis ins Meer gezischt ist. Wir pirschen uns lieber mit dem Schiff heran. Da! Ein bengalisches Leuchten glüht überm Gipfel auf. Und jetzt! Wie eine Kerze steigt für Sekunden ein feuriger Strahl empor. Für Augenblicke blitzt am Hang ein Strom gelbroter Lava. Und der Berg tut uns tatsächlich den Gefallen. Zweimal, dreimal, immer wieder.
Weitere Informationen:
Allgemeine Auskünfte: Italienische Zentrale für Tourismus ENIT, Prinzregentenstraße 22, 80538 München, Telefon 089/53 31 63, www.enit.de.
Reisezeit: Die sieben Äolischen Inseln sind im heißen Juli und August fest in italienischer Hand. Die angenehmeren und preisgünstigeren Reisezeiten sind Frühjahr und Herbst.
Anreise: Preiswerte Flüge nach Cantania gibt es in der Vor- und Nachsaison schon ab 140 € (Flugpreisvergleich bei t-online.de).
Von Catania zur Fähre nach Milazzo verkehren zweimal täglich Busse, www.giuntabus.com.
Schiffe fahren von Ustica-Lines und Siremar. Fahrplan und Preise unter www.italien-inseln.de.
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Quelle: srt
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