09.03.2010, 13:39 Uhr | Armin Herb
Mit dem Rad über die Insel - der Frühlingstrend auf Mallorca. (Foto: srt/ A. Herb)
Im Frühling beherrschen Radfahrer das Straßenbild auf der Baleareninsel. Da reiben sich Neuankömmlinge verdutzt die Augen. Wo kommen denn die ganzen Radler her? Immer wieder flitzen kleine Pulks vorbei. Alles Hobbyrennradler in bunten Trikots und engen Hosen, bevorzugt im eigens bedruckten Mannschaftstrikot.
Ihr Fahrerlager konzentriert sich an Mallorcas längstem Strand in der Bucht von Alcudia. Dort herrscht an jedem Frühlingsmorgen Stimmung und Gewusel wie im Olympischen Dorf während der Spiele: Fahrrad checken, Proviant bunkern, Trinkflasche füllen, Radcomputer einstellen, noch etwas die Muskeln dehnen. Auch Hobby-Radrennfahrer schätzen die professionelle Vorbereitung im Sporthotel Playa de Muro. Die angeschlossene Radstation ist angeblich die größte der Welt. Rund 2000 Leihräder warten auf sportliche Urlauber, die meisten davon Rennräder, dazu ein paar Tourenräder und eine Handvoll Mountainbikes. Dann beginnt die hektische Suche nach der richtigen Gruppe. Das ist nicht immer so einfach, denn meist fährt man beim Ex-Weltmeister Max Huerzeler, dem mit Abstand größten Radsport-Veranstalter der Insel, in sechs oder sieben Levels. Die "Einsteiger" begnügen sich mit 30 bis 50 Kilometer am Tag bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 16 bis 18 Stundenkilometer. Die Cracks schwitzen in der Speed-Gruppe und legen stolze 100 bis 190 Kilometer zurück bei durchschnittlich mehr als 27 km/h. Wahre Racer halten dabei nur zum Pinkeln oder bei einer Panne.
Alle Radler schätzen die Atmosphäre, die Gruppendynamik und die tollen Strecken - auch die Frauen. Als vor mehr als 20 Jahren die ersten Radsportgruppen in Mallorca auf holprigen Straßen ihre Trainingsrunden drehten, waren das reine Männerveranstaltungen. Heute beträgt der Frauenanteil bis zu 35 Prozent - was wohl auch an den verbesserten Rahmenbedingungen liegt. "Jetzt sind auf Mallorca die Straßen sensationell. Und die Autobahn entlastet zudem die Landstraßen. Vor einigen Jahren noch waren die Radler von den Schlaglöchern kaputt und nicht von den Trainingskilometern", erklärt Max Huerzeler. "Der Radboom wird weitergehen, obwohl schon jetzt mehr als 80.000 im Jahr hierher kommen." Deshalb wundert es nicht, dass sich die Insel inzwischen gut mit den Fahrradfahrern arrangiert. Einheimische Autofahrer und die Polizei zeigen sich meist sehr rücksichtsvoll. Nur die spanische Helmpflicht sollte nicht vernachlässigt werden. Doch längst nicht alle Radurlauber auf Mallorca wähnen sich im Massen-Trainingscamp. Es geht auch gemütlich. Der Tipp dazu lautet "Plausch- oder Capuccino-Gruppe". Nomen est omen. Der Guide wählt die Geschwindigkeit gerade so hoch, dass seine Schäflein on tour auch noch etwas Smalltalk halten können. Mindestens ein Café-Stopp ist obligatorisch. Und es darf auch mit dem etwas langsameren, aber bequemeren Tourenrad gefahren werden.
Hans "Silberfuchs" Bösch zählt zu den besonders erfahrenen Tourguides im Huerzeler-Team. Sein Spitzname rührt, wie sollte es anders sein, vom gelockten, schneeweißen Haupthaar her. Der Pensionär und ehemalige Schweizer Radmeister macht den Neulingen Appetit auf mehr durch eine gemütliche Tour zur Cala Sant Vincenc. Hauptsächlich auf kleinen Sträßchen vorbei an Olivenbaumreihen, grasenden Schafen, dicken schwarzen Schweinen und alten Fincas geht's ins alte Städtchen Pollenca. An der langen Treppe hinauf zum Kalvarienberg wartet ein sonniges Plätzchen zum Cafe-con-leche-Stopp. Hans stoppt lieber hier gemütlich, denn oft besetzen schon genügend andere Radler die wenigen Plätze im schnuckeligen Strandcafé an der Cala. Nach einer Runde an der kleinen Felsbucht rollt die Gruppe zu der von Palmen gesäumten Strandpromenade in Puerto Pollenca, das bedeutet Tapas-Stopp mit Meerblick. An der Bucht von Pollenca entlang führt der Radelausflug zurück zum Playa de Muro. Viele Teilnehmer kommen dabei wirklich erst richtig auf den Geschmack und nehmen sich für den folgenden Tag gleich eine Steigerung vor - etwa die landschaftlich sehr lohnende Berg-und-Tal-Tour zum Cap Formentor am nördlichen Ende Mallorcas. Spätestens im Mai wandelt sich auf Mallorca das Bild: Dann werden die Radler deutlich weniger. Surfer, Segler und die Badegäste übernehmen das Regiment. Und die großen Radstationen schließen von Juni bis Anfang September zum Sommerschlaf. Die Hitze und den starken Urlauberverkehr verkraften dann nur noch die hart gesottenen Radfahrer. Vielleicht erfreut sich dann zumindest der noch relativ neue 30-km-Radweg von El Arenal nach Palmanova steigernder Beliebtheit bei den Strandurlaubern?!
Wichtiges und Interessantes zum Radfahren auf Mallorca:www.radkult-mallorca.de, www.rad-mallorca.de, www.mallorca-radsport.de
Schnupper-Runde: Puerto Alcudia - Alcudia - Puerto Pollenca - Cala Sant Vicenc - Pollenca - Club Pollentia - Alcudia - Puerto Alcudia - Alcudia = 46 km und 180 Höhenmeter)
Restaurant-Tipp (nicht nur für Radler): Bodega D'es Port in der Teodoro Canet 8 in Puerto Alcudia. Hervorragende Tapas und authentische mallorquinische Küche in uriger Atmosphäre.
Radsport-Stationen und -Reisen: Zu den größten und bedeutendsten Anbietern auf Mallorca zählen Bicycle Holidays Max Huerzeler mit acht Stationen und mehr als 2000 Mieträdern (www.huerzeler.com) sowie Easy-Tours mit drei Stationen und mehr als 500 Mieträdern (www.easy-tours.de)
Literatur/Landkarten: Radsportkarte Mallorca im Maßstab 1:150.000 (gegen Schutzgebühr von 5 Euro in den Huerzeler-Boutiquen vor Ort), Kompass Rad- und Wanderkarte Nr. 230 Mallorca (1:75.000) zu 8,95 Euro, Allgemeine Reiseinfos und dazu ausgewählte Tourentipps bietet der Reiseführer "Mallorca" aus dem Michael Müller Verlag "Mallorca", 264 Seiten, 15,90 Euro.
Quelle: srt
Deutscher schrieb:
am 12. Mai 2010 um 15:18:38
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@Franzose
Sie haben vollkommen recht, unsere deutschen Radrambos benehmen sich unmöglich, fahren zu dritt nebeneinander, so hab ich es erst
auf Gran Canaria erlebt und haben eine Freude daran (anders kann ich mir das Verhalten nicht erklären) kilometerlang PKWs hinter sich herfahren zu lassen und wehe es hupt einer, ich versteh es einfach nicht, miteinander ist etwas anderes.
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saxo schrieb:
am 4. Mai 2010 um 20:59:36
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Mallorca Radfahrer
hallo franzose,
ich fliege jedes jahr nach Malle um zu trainieren ( schon ca. 18 mal)
rambos sind die deutschen
autofahrer auf der insel - ein mallorciener hupt das bedeutet ich komme ,bei einem deutschen bedeutet das verschwinde von der straße hier kommt ein deutscher autofahrer.
franzose kennst du überhaupt die regel wie auf der insel gefahren werden darf,ich glaube nicht!
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Franzose schrieb:
am 10. März 2010 um 15:25:24
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Rad-Rambos
Allerdings verhalten sich viele (vor allem deutsche) Möchtegern-Radrennfahrer genauso wie bei uns Zuhause: Rücksichtslos und
ohne Beachtung von Verkehrsregeln.I ch bewundere die Geduld der Mallorciner...
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