04.02.2010, 08:53 Uhr | C.Ottilie/srt
Maria Island, Tasmanien: Painted Cliffs (Foto: C. Ottilie/srt)
Strahlend blauer Himmel, eine leichte Brise, am Horizont erhebt sich eine kleine Hügelkette. Es ist neun Uhr morgens in Tasmanien, der Insel, die Australien vorgelagert ist. Pinguine halten neben einem Fährboot ihre Schwimmstunde ab. Theoretisch planschen in der Mercury Passage zwischen Tasmanien und der Mini-Insel Maria auch Delfine und Robben, doch heute spielen die kleinen Blauen Bootsbegleiter. Sie sind die Vorhut der exotischen Fauna auf Maria Island, auf die das Boot zusteuert. Sehen Sie sich die Insel am Ende der Welt auch in unserer Foto-Serie an.
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Darlington Bay ist Marias einzige Siedlung. Es Stadt zu nennen, wäre maßlos übertrieben. Lediglich ein Informationszentrum, ein altes Gefängnis, in dem rustikal genächtigt werden darf, und eine Ranger-Station verteilen sich entlang des Hafens. Kein Shop, kein Imbiss, kein Hotel. Auch Autos sind auf Maria tabu, man bewegt sich per Pedes oder Fahrrad, denn die Insel ist ein behüteter Nationalpark. Zahlreiche Wanderwege durchziehen das 22 mal 13 Kilometer kleine Maria, mit sehenswerten Ausflugszielen in Laufweiten zwischen zwei Stunden und mehreren Tagen, vom Meereslevel bis zum 711 Meter hohen Mount Maria.
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Der erste Weg für Tagesausflügler führt zur Ranger-Station, wo Fahrräder verliehen werden und ein Wombat (Beutelsäugetier) sich gerade am Fundament des Hauses zu schaffen macht. Das Fellknäuel mit der breiten Nase lässt sich dabei nicht von Besuchern stören, die selbstverständlich augenblicklich anfangen zu fotografieren. Dabei hat die Safari noch gar nicht begonnen. Als die ersten Meter mit dem Rad zurückgelegt sind, bietet sich von einem Hügel ein fantastischer Blick: Zur Rechten die Mercury Passage wie ein blaues Orientierungsband, gleich daneben erstreckt sich im Halbrund ein weißer Sandstrand mit türkisblauem Wasser. Doch hier ist noch immer Australien - mit Eukalyptusbäumen statt Palmen.
Bevor es in die lange Kurve geht, springt das Hinterrad aus dem Rahmen. Zwei Hühnergänse schauen kurz aus ihrer Pfütze auf, als wir das Rad wieder in Position bringen und dann durch den feinen Sand weiter schieben. Am Ende der Bucht verhindern Findlinge jegliches Weiterkommen. Tasmaniens berühmteste Klippen erheben sich bis zu zehn Meter hoch über den großen und kleinen Kieseln. Die Painted Cliffs mögen in ihren Ausmaßen kaum Grund für eine Erwähnung sein, aber die vielfarbigen Sandsteinauswaschungen spiegeln auf ihre Weise wider, was die ganze Insel so besonders macht: Maria Island ist ein komprimiertes Australien mit derselben geologischen und biologischen Vielfalt wie der Kontinent.
Vom Meer ausgehöhlte Klippen laden zum Herumklettern und Rastmachen ein. Auf einem großen Findling packen wir die Sandwiches aus, die wir am Morgen in Hobart erstanden haben. Die Mittagssonne und das klare Wasser verführen zu einem kurzen Fußbad im kalten Seewasser. Im Hochsommer ist der umgebende Marinapark ein Tummelplatz für Schnorchler, Taucher und Paddler. Im Winter reicht es für eine Fußkühlung mit Sonnenbad in der oft gelobten reinsten Luft der Welt. Sie riecht nach Salz, Algen und Meer, ist angenehm und ja, frisch. Nach dem Picknick sind die knapp 100 Meter Klippen rasch abgelaufen und umklettert, weiße, gelbe, ocker- und orangefarbene Gesteinsschichten in plastisch anmutenden Formationen heben sich fotogen gegen den immer noch strahlend blauen Himmel ab. Als wir weiterfahren, stehen die beiden Gänse noch immer in ihrer Pfütze und trinken begehrtes Regenwasser, denn Regen ist rar auf Maria. Ähnlich wie die Gänse selbst - denn in anderen Teilen Australiens sind sie fast verschwunden. Hier haben sie 1972 mit der Gründung des Maria Island Nationalparks eine geschützte Heimat gefunden. Neben dem schnatternden Federvieh fanden auch diverse endemische Vogelarten Tasmaniens auf der Insel ein Rückzugsgebiet ohne Fressfeinde und bedrohliche Krankheiten.
Wir steuern die Fossil Cliffs an, um Algenabdrücke und versteinerte Muscheln in der Felswand zu erkunden. Wäre Maria Island ein Freilichtmuseum, wäre dies die Station, an der man am Millionen Jahre toten Objekt selbst Hand anlegen dürfte. Gleichwohl ist das Mitnehmen von Fossilien nicht gestattet. Während wir noch im Sand herumstochern und die Felsen nach auffälligen Urzeittieren und -pflanzen absuchen, hat sich an der gegenüberliegenden Bucht ein Unwetter zusammengebraut, das nun unübersehbar auf das regenarme Inselchen zuhält. Von den Fossilienklippen an ist der Weg wieder ausgebaut und wir erreichen rechtzeitig das Ranger-Häuschen, bevor sich der Himmel über Maria entleert. Auf dem Weg zum Hafen inspizieren wir das zur Jugendherberge umgebaute ehemalige Gefangenenlager. Die spartanisch belassenen Zellen bieten vor allem Wanderern Unterschlupf, die sich mehrere Tage auf dem Eiland aufhalten. Wir setzen wieder aufs Festland über. Wie eine Fata Morgana erscheint die Insel unter einem doppelten Regenbogen, als wir zurückblicken. Als Gefangeneninsel war Maria einst gefürchtet, heute lässt man sich freiwillig und furchtlos von der einsamen Wildnis der Insel gefangenen nehmen.
Weitere Informationen:
Tourism Tasmania, www.discovertasmania.com
Anreise: Mit Qantas, Emirates u.a. über Singapur/Dubai nach Sydney/Melbourne ab 1000 Euro. Ab Sydney/Melbourne weiter nach Hobart mit Qantas, Virgin Blue oder Jetstar (ab 50 Euro) oder ab Melbourne per Fähre "Spirit of Tasmania" nach Devonport (Übernacht-Fahrt ab 75 Euro). Maria Island Ferry & Eco Cruises ab Triabunna zweimal täglich, 50 $ Hin- und Rückfahrt, 30 Min. Überfahrt.
Nationalparks: Zugang zu allen 19 Nationalparks der Insel gibt es nur mit einem Parkausweis, Gebühr: ab fünf Euro für einen Tag bis 45 Euro für einen Jahrespass pro Person, www.parks.tas.gov.au.
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Quelle: srt
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