28.04.2011, 14:10 Uhr
Chassi frisst. Wie eigentlich fast immer. Und damit steht Lektion eins beim Eselwandern fest: Führe das Tier entschlossen am Halfter oder dem dazu gehörigen Strick. Sonst steht die Wandergruppe, statt zu laufen und das mitunter lange. Doch Zeit bekommt beim Erkunden der französischen Region Franche-Comté ohnehin eine andere Dimension. Die Foto-Show zeigt, warum bloßes Herumstehen und Gucken in dieser Landschaft in Frankreichs Südosten ein wahrer Genuss sind.
Ausgedehnte Wälder, Wiesen, dazu das Jura-Gebirge und mittendrin der Fluss Doubs: So charakterisiert sich die Region Franche-Comté zwischen Burgund im Norden und Rhône-Alpes im Süden. Ein wenig wie das Allgäu und doch viel, viel größer - eine Landschaft also, die am besten zu Fuß erkundet wird. Wer nicht gerne wandert, kann auch per Mountainbike, Hausboot oder Pferd durch die Natur streifen. Eine witzige Alternative aber ist der Esel, ideal für alle Lauffaule, also häufig Kinder. Der Esel wird einen halben Tag oder beliebig länger „gemietet“ und schon geht’s los. Einer intensiven Einführung bedarf es nicht; der Esel erklärt sich sozusagen selbst. In der kleinen Ortschaft Belleherbe hält Serge 15 der gutmütigen Tiere. Mit ihnen begeistert er regelmäßig behinderte Kinder bei Festen und bietet obendrein Touren für Touristen an. Die Gäste können auch in einem Tipi in der Nähe übernachten, werden dort kulinarisch versorgt und erwandern mit ihrem Esel die Gegend.
Das Wandern mit einem Esel zeigt schon nach den ersten Metern Züge eines Management-Seminars: Wer führt hier, der Esel oder ich? Beherztes Eingreifen ist gefragt, sonst passiert nichts. Kinder setzt man einfach obendrauf und schon startet der Spaziergang auf Feldwegen, durch schattige Wälder und mitunter auch querbeet. Die Landschaft ist lieblich und sehr ländlich geprägt. Alternativ zum Ritt auf dem Esel gibt’s auch einen Sulki-ähnlichen Anhänger zu Mieten. Der ist ideal für längere Strecken: Ein üppiges Picknick und zwei bis drei Kinder haben darin Platz. So oder so ist die Gaudi perfekt – der Nachwuchs krümelt sich vor Lachen, wenn der Esel eigene Wege geht und derlei Familienerlebnis bleibt lange in Erinnerung.
Wer vor einem Esel zu viel Respekt hat, wählt das gutmütige Comtoiser Pferd. Diese robuste Rasse zieht klaglos einen Planwagen durch die Landschaft, während es die Urlauber im Anhänger bequem machen. Bis zu fünf Personen können darin schlafen, sogar für Herd und Kühlschrank ist noch Platz. Nach einer kurzen Einweisung kann jeder das Outdoor-Abenteuer wagen; rund 140 Euro kosten Gefährt plus Pferd pro Tag. Das Gute: Abends kommt ein Mitarbeiter der Verleihstation und kümmert sich ums Tier. Eine Pauschalreise von zwei bis acht Tagen Dauer lässt sich via Fremdenverkehrsamt buchen. Reiter könnten indes des Jura-Gebirge mit einem Comtoiser Pferd überqueren. Auf über 1500 ausgeschilderten Kilometern führt "Le Grand Huit" über das Gebiet; unterwegs gibt's umfassenden Service für die PS-Touristen. Eine dreitägige Tour ist ab 265 Euro zu haben, inklusive Vollpension und Pferd.
Auch ohne tierische Unterstützung bietet die Region genügend Attraktionen zum Staunen und Lachen. Eine davon ist der Dino-Zoo in Charbonnières-Les-Sapins, gut eine Viertelstunde Autofahrt entfernt von Besançon. Eingebettet in einen Wald, begeben sich die Besucher auf eine Zeitreise rund vier Milliarden Jahre zurück. Große Dinosaurier-Figuren mit passenden Erklärungen (auch auf deutsch) stehen locker verteilt in dem großen Areal. Dazu passende Geräusche kommen aus versteckten Lautsprechern und machen die Illusion richtig nett. Der Clou ist ein 4-D-Kino mit Seifenblasen, Wasserfontänen und Windgebläse, der die Entwicklung der Dinosaurier erläutert.
Ein beeindruckendes Naturschauspiel ist der Wasserfall des Flusses Doubs ("Saut du Doubs"). Schiffstouren starten mehrmals täglich im kleinen Städtchen Viller-le-Lac im Süden der Franche-Comté. Entlang wild-romantischer Schluchten führt die rund halbstündige Fahrt zu einem Anleger, von dem aus der Wasserfall zu Fuß erreichbar ist. Die Schweiz ist hier buchstäblich nur einen Steinwurf entfernt, nämlich auf der anderen Uferseite und wer mag, spaziert ebenfalls dort entlang. In der Hauptsaison im Sommer verkehren die Schiffe dauernd, in der Nebensaison lohnt sich ein Vorab-Anruf, um eine lange Wartezeit zu vermeiden.
Bei der Anfahrt auf Besançon geht der Blick unweigerlich nach oben: Über der Stadt thront die Zitadelle, eine Befestigungsanlage mit erstaunlichen elf Hektar Fläche. Sie gilt als Meisterwerk ihres Bauherrn Vauban und gehört seit 2008 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Halbwegs-Sportliche laufen hoch, andere fahren mit dem Bus oder nutzen die Auto-Parkplätze direkt vor dem Eingang. Neben den mächtigen Mauern und Türmen sind in der Zitadelle drei Museen sehenswert; ein Naturkundehaus, eine Ausstellung über Leben und Traditionen der Region sowie ein Museum für Widerstand und Deportation. Für Kinder aber zählt all' das nicht sondern der Zoo! Tatsächlich nämlich tummeln sich hier oben in der Zitadelle allerlei Affenarten, Ziegen klettern herum, Flamingos stolzieren im Gehege und ein Löwe döst faul vor seinem Bau. Gut ein halber Tag oder länger lässt sich hier verbringen. Wieder zurück in der Stadt, lädt Besançon zu einem ausgiebigen Bummel samt unzähliger Cafés und Brasserien ein. Kleine Boutiquen statt Kettenläden machen Lust auf Spontankäufe. Entspannter Abschluss könnte auch hierwieder eine Bootstour sein: Die Doubs schlängelt sich rund um die Stadt; die einstündige Fahrt auf dem Wasserweg ist durch zwei Schleusen und einen Tunnelabschnitt unter der Zitadelle sehr abwechslungsreich.
Weitere Informationen
Atout France, Französische Zentrale für Tourismus, www.franceguide.com oder die Webseite der Franche-Comte
Links zum Dino-Zoo, zu den Schiffstouren auf der Doubs und zur Stadt Besançon
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Quelle: t-online.de
Conze schrieb:
am 24. Mai 2011 um 17:36:59
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Freigraftschaft
Es heißt nicht France sondern Franche; weil es sich um eine Freigrafschaft handelte, die nicht zu Frankreich gehörte .
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