14.07.2010, 14:19 Uhr | Hans-Werner Rodrian/srt/sew
Eisblau schimmert die Gletscherspalte über den Besuchern. Glatt wie geschliffener Marmor türmen sich ihre glasigen Wände auf, verschwinden nach oben im Halbdunkel. Aber unten auf dem Gletscherboden ist es erstaunlich hell: Eiszapfen funkeln, Eisgebilde leuchten geheimnisvoll. Es ist ein verzauberter Weg, der da über Metalltreppen und -leitern durch den Gletscherbauch führt und in bunten Farben beleuchtet wird. Von der Hintertuxer Bergbahn etwas unpassend als Natureispalast vermarktet, fasziniert doch vor allem der Blick ins Innere eines Gletschers - sehen Sie selbst in unserer Foto-Serie.
Oben auf der verschneiten Oberfläche kurven derweil die Unentwegten: Snowboarder und Skifahrer, die es auch im Sommer nicht lassen können. Aber der Großteil der Gäste am Gletscher hat heute nichts mit Carving im Sinn, sondern er sucht nur eines: Abkühlung. Gerade bei den derzeitigen Sahara-Temperaturen um 35 Grad tut ein Ausflug in die kühlen Berge gut. Hundert Höhenmeter machen ein Grad Temperaturunterschied aus, sagt eine Faustregel. Und tatsächlich, im Hoteldorf Hintertux auf 1500 Metern zeigt das Thermometer acht Grad weniger an als im Tal.
Die Hotels im Talschluss haben sich längst auf solche Wünsche eingestellt. Wo früher karge Sportlerherbergen Bergsteigern und Skienthusiasten wenig mehr boten als Bett und Verpflegung, da herrscht heute Wohlbefinden. Frieda Klausner und ihr Mann Martin zum Beispiel haben gerade ihr Traditionshotel umgebaut zum "neuen Klausnerhof" - mit grüner Dachterrasse, Schwimmbad und Whirlpool unter freiem Himmel. Statt Skiwasser und Bergsteigertee bestellen sich die Gäste auf der Veranda mit Blick aufs Dorfkircherl Latte Macchiato und Aperol Sprizz. Danach schlafen sie gut bei offenem Fenster in der frischen Bergluft. Dieses Licht! Es hat schon etwas ganz Eigenes, morgens aufzuwachen und von draußen glitzert der Gletscher ins Hotelzimmer. Im Ort ist praktisch jedes verfügbare Zimmer exakt darauf ausgerichtet.
Schöner als mit dem kostenlosen Dorfbus ist die kurze Strecke entlang des quirligen Tuxbachs zur Bergbahn. Vorbei geht's an einem schattigen Kinderspielplatz und an Europas höchstgelegener Thermalquelle. Wer schon beim Gedanken daran ins Schwitzen kommt, der sei beruhigt: In das nostalgische Freischwimmbad mit den lustigen gelben Liegestühlen fließt das Thermalwasser frische 19 Grad kühl. An der Talstation der Seilbahn macht die elektronische Anzeigetafel kühle Lust auf drei Etagen: Für die erste Zwischenstation auf 2100 Metern meldet sie 22 Grad, an der zweiten noch 16 und ganz oben auf 3250 Meter gerade mal zwölf Grad im Schatten. Schatten gibt's da zwar keinen, aber das macht nichts. Der Abstieg in die Gletscherspalte dauert circa eine halbe Stunde. Unten wartet eine glitzernden Eiszapfenwelt auf die Besucher.
Die nun folgende Kristallkammer beherbergt funkelnde Eiskristalle in allen Größen und Formen. Sie verändern sich durch Feuchtigkeitszufuhr und Temperaturunterschiede ständig. Eine Besonderheit der Kristallkammer ist ihr Boden, denn ein gefrorener Gletschersee bildet den Übergang zur blauen Kammer sowie zur rot erleuchteten Eiskapelle. Als Höhepunkt der Besichtigung folgt der eigentliche "Eispalast", rund 25 Meter unterhalb der bestens präparierten Skipisten. Durch seine eindrucksvolle Höhe von 15 Metern sowie seinen lupenreinen Eisbildungen werden Besucher ins Staunen versetzt.
Der Hintertuxer Gletscher wirbt damit, der einzige Ganzjahresgletscher Österreichs zu sein. Die Auffahrt ist das ganze Jahr über möglich. Eine Berg- und Talfahrt kostet für Erwachsene 27 Euro, für Kinder (geboren nach dem 1.1.1995) 18,50 Euro. Kinder bis zehn Jahre haben in Begleitung der Eltern freie Fahrt. Die Führung durch den Natureispalast kostet für Erwachsene acht Euro, für Kinder ab acht Jahren vier Euro. Tel. 0043/5287/8510, www.hintertuxergletscher.at.
Unterkunft: Eine Übernachtung im Viersternehotel Klausnerhof kostet von Juli bis Ende Oktober je nach Zimmertyp 77 bis 113 Euro, inkludiert sind Halbpension, Nachmittagssnack, Kinderbetreuung und einiges mehr. Kinder bis 14 Jahre übernachten im Zimmer der Eltern kostenlos. Tel. 0043/5287/8588, www.klausnerhof.at
Hans-Werner Rodrian/srt/sew
Harry schrieb:
am 16. Juli 2010 um 11:38:49
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Höhle
Sieht "Cool" aus !
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