28.09.2011, 08:31 Uhr | Andreas Lesti/srt
Das Lesachtal mit seinen vier ursprünglichen Ortschaften Birnbaum, Liesing, Sankt Lorenzen und Maria Luggau gehört ebenfalls zu den Bergsteigerdörfern. (Quelle: TVB Lesachtal/PR)
Keine Industrie, keine Skilifte, keine Schnellstraßen: Als sommerliches und thematisches Gegenstück zu Österreichs winterlichem Massentourismus zeichnet der Österreichische Alpenverein (OeAV) 18 ursprüngliche Dörfer als "Bergsteigerdörfer" aus. Um zum exklusiven Kreis der authentischen Dörfer zu gehören, müssen die Gemeinden strengen Kriterien genügen. Sehen Sie die Bergsteigerdörfer auch in unserer Foto-Show.
Ginzling im Zemmgrund ist ein kleiner Ort in einem Seitental des Zillertals. Wer dorthin will, der muss den Ski- und Partywahnsinn Mayrhofens hinter sich lassen und durch einen langen, dunklen und einspurigen Tunnel in eine andere Welt fahren, hinein in ein sehr ursprüngliches und tief eingeschnittenes Seitental des Zillertals, das sich zu diesem ungefähr so verhält wie eine Almhütte zu einer Hotelburg. Es ist die Welt von Ginzling, einem Dorf mit einem Wirtshaus, einer Brücke über den plätschernden Bach, einer Kirche mit Friedhof und einer Jausenstation. Fast wie früher, und genau das ist der Grund, warum Ginzling ein so genanntes Bergsteigerdorf ist, wie es der Österreichische Alpenverein zusammen mit 17 weiteren Dörfern touristisch vermarktet. Der Alpenverein wählt gemeinsam mit dem österreichischen Umweltministerium Ortschaften oder Täler aus, die "sanften und nachhaltigen Sommer- und Wintertourismus mit Tradition" praktizieren. Der Verein tritt als Marketingagentur auf, die sich ihren Kunden aussucht - und nicht umgekehrt, wie üblich.
An 18 österreichischen Orten wird seither Alpenurlaub "fernab der großen Tourismuszentren" über eine eigene Broschüre beworben. Und das heißt, dass 18 Mal strenge Auflagen erfüllt werden mussten: Ein Bergsteigerdorf darf nämlich nicht mehr als 2500 Einwohner haben, keine Großindustrie, Autobahnen oder Schnellstraßen aufweisen, und Seilbahnen und Skilifte sollten die umliegende Bergwelt nicht verunstalten. Im Ort selbst müssen "dörfliche Strukturen und alpine Kulturen erhalten" sein, das heißt, es muss einen Laden, eine Apotheke, eine Kirche und ein Gasthaus geben. Und natürlich sollen Gäste dort auch wandern und bergsteigen, klettern und Rad fahren können. Das Dorf sollte also über eine, wie es heißt, "relevante Reliefenergie" verfügen, das bedeutet, die Höhendifferenz zwischen Dorfplatz und Gipfelkreuz sollte mindestens 1200 Meter betragen. Das bedeutet wiederum, dass auch das mit nur 509 Meter Höhe eher flach gelegene Steinbach am Attersee Bergsteigerdorf sein darf, weil sich direkt hinter dem Ortsschild der 1862 Meter hohe Höllkogel erhebt. Und es bedeutet auch, dass diese 18 Orte nun offenbar mit eigenwilligen Sprachkreationen umgehen müssen.
Wie streng die Kriterien sind, zeigt auch, dass seit 2005 nur drei Kandidaten dazugekommen sind: Mauthen und das Maltatal in Kärnten und das Villgratental in Osttirol. "Es gibt auch jetzt wieder eine ganze Reihe Kandidaten, die wir nun prüfen müssen, über die wir Ende des Jahres entscheiden", kündigt Christina Schwann an, die beim OeAV für die Bergsteiger zuständig ist. Es würden aber nicht mehr viele dazukommen, "auch langfristig werden es sicher nicht mehr als 25". Mauthen zwischen den Gailtaler und Karnischen Alpen im Süden Österreichs ist der neueste Zugang, seit dem 6. Mai 2011 gehört es zu den Bergsteigerdörfern. Der OeAV will das Konzept der Bergsteigerdörfer in den nächsten Jahren auch auf andere Länder ausweiten, und so könnten sich bald auch deutsche Orte bewerben. Derzeit allerdings, sagt Thomas Bucher, Sprecher des Deutschen Alpenvereins, würde kein Ort die Kriterien dafür erfüllen. Für die Zukunft des Alpentourismus sei die Initiative aber der richtige Ansatz, meint er. Erderwärmungsszenarien sagen voraus, dass die eher flach gelegenen deutschen Skigebiete in 20 Jahren nicht mehr existieren können. Man braucht also allmählich Alternativen.
"Wir wollen mit der Initiative den Sommer aufwerten", sagt Schwann und deutet an, dass das Problem Österreichs exzessiver Wintertourismus sei. Von Dezember bis April konzentriert er alles auf einige wenige Orte, und von Mai bis November lässt er die meisten davon sehr unattraktiv erscheinen: In den Tälern prägen Baustellen und leerstehende Häuser, in den Bergen Pistenschneisen und Speicherseen das Bild. Das ist auch der Grund, warum der OeAV kritisch verfolgt, was in Kals passiert. Seit zwei Wintern gehört der Ort in Osttirol zum "Großglockner Resort", einem großen neuen Skiverbund, der nun gar nicht mehr den Bergsteigerdorf-Kriterien entspricht. Momentan wird noch entschieden, ob Kals den Titel "Bergsteigerdorf" weiter tragen darf.
Weitere Informationen:
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Quelle: t-online.de , mro , srt
Tipsy schrieb:
am 5. September 2011 um 09:12:02
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Hallo Ferdy
es stimmt schon zum Teil, was Du sagst. Aber in derRegel sind es Leute, die auch in Bayern nicht so gut ankommen. Ich habe mal
eine Zeit in Linz gelebt. Im Sommer war die Speisekarte in meiner Stammkneipe auf einmal überall teurer. Begründung: die Berliner sind da. Ich als Bayer habe aber weiter den "Einheimischen-Tarif" erhalten.
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Alex schrieb:
am 5. September 2011 um 08:47:05
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Massentouris & Müll
Leider hat jedes Land und Reisebranche die Masssenbustouris überall !
Egal wo in Europa oder Globaler Wlet in Städten
Stränden Fussballstadien und aller ARTEN Ausflugzielen kommen die Massentouris und MÜLLEN zu !
Dies ist eine Frage der Massenerziehung und Einstellung gegenüber dem Nachbarn dem Staat und der Natur !
Hier fehlt bei vielen --schon den Eltern-- wie der Herr, so das Gscherr -- der Spruch gilt noch heute --es fehlt der Respekt gegenüber sich selbst und dem NÄCHSTEN !!!
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Ferdy schrieb:
am 5. September 2011 um 08:43:51
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Bergsteigerdörfer in Österreich
@Tipsy,die Österreicher "zocken" euch ab weil ihr so großkotzig seid. Ihr tut ja im Urlaub so als
ob ihr euch mit Geld den Hintern putzt. Ja dann nehmen die Österreicher halt was sie kriegen können.
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