23.05.2011, 09:00 Uhr | Christian Haas, srt
14 Monate nach dem isländischen Vulkan mit dem schier unaussprechlichen Namen Eyjafjallajökull schleudert ein anderer namens Grímsvötn erneut gigantische Mengen Asche in die Luft. Dabei hinterlässt er am Himmel eine dunkle Wolke und an Flughäfen viel Stress unter den Passagieren. Kein Wunder also, dass Vulkane nicht unbedingt den besten Ruf haben. Doch mit ihren dampfenden Kratern und Schluchten bieten sie einmalige Spektakel, die seit jeher Touristen anlocken. Ob zum Wandern oder Baden - wir zeigen Ihnen, welche Vulkane sich als Reiseziel eignen. Sehen Sie die heißen Tipps auch in unserer Foto-Show.
Wer im vergangenen Jahr tagelang mit Bus, Bahn und Taxi durch Europa irren musste, weil in den meisten Ländern des Kontinents der Luftraum gesperrt wurde, der war auf den Schuldigen nicht gut zu sprechen. Sein unaussprechlicher Name: Eyjafjallajökull, der isländische Gletschervulkan. Doch bei näherer Betrachtung ist der Vulkan ein echtes touristisches Schmuckstück, für das manche Naturbegeisterte sogar extra nach Island reisen. Den sechstgrößten Vulkan des Landes kann man am besten von der komfortablen Aussichtsplattform des Viersternehotel Ranga im Ort Hella aus besichtigen; in dessen Restaurant wird der Blick auf den imposanten Gletschervulkan kostenlos mitserviert. Wer noch näher ran will, der löst ein Ticket für das Helikopter-Sightseeing. Bei dem Rundflug gibt es neben dem eigentlichen Gletschervulkan einiges zu bestaunen: Noch drei weitere Gletscher samt darunter brodelnder Magmakammer, üppige Vegetation und jede Menge Meer und Wasserfällen können Touristen aus luftiger Höhe entdecken.
Auch der Ätna auf Sizilien hat in den vergangenen Jahren immer wieder Feuer und Asche gespuckt. Erst 2008 gab es stärkere Eruptionen, 2002 zerstörte ein Ausbruch gar die Seilbahn, die bis auf rund 2500 Meter hinaufführt. Wenn er nicht gerade mal wieder Asche spuckt, können interessierte Besucher den Weg bis hinauf auf rund 3000 Meter auf sich nehmen - wobei Busse und die wieder in Stand gesetzte Seilbahn komfortable Abkürzungen darstellen. Die letzten Höhenmeter allerdings können nur zu Fuß und mit Führer zurückgelegt werden. Kleiner Leckerbissen: Im Winter geht es auf Skipisten bergab! Im Sommer wartet eine weiträumige, dreieinhalbstündige Vulkanrundtour mit der Schmalspurbahn Circumetnea.
Etwas nördlich von Sizilien sorgen die Äolischen Inseln permanent für Aufregung. Aus den Gipfelkratern des aktivsten Vulkans Europas, des Stromboli, werden Gesteinsbrocken bis zu 200 Meter hoch in die Luft geschleudert - ein unvergessliches und etwa halbstündig wiederkehrendes Naturschauspiel. Zehntausende wollen das Spektakel jährlich sehen. Allerdings sollte man einen gebührenden Sicherheitsabstand zum aktiven Krater einhalten. Unser Tipp: Mit dem eigenen oder gecharterten Segelboot anreisen - einen besseren Aussichtsplatz als vom Meer gibt es wohl kaum. Höchstens die Panoramaterrasse des feinen Hotels "Il Galeone" auf der Nachbarinsel Panarea.
Seit jeher gibt der Vesuv (der letzte des italienischen Vulkantrios) eine fantastische und mittlerweile auch friedliche Kulisse für die Metropole Neapel ab. Seinen fürchterlichen Ruf erhielt er im Jahr 79, als er die Städte Pompeji, Herculaneum und Stabiae zerstörte und unter seiner Lava begrub. Die Überreste des historischen Vulkanausbruchs vermitteln uns heute einen hervorragenden Einblick in die römische Zeit. Die Chancen, dass der 1281 Meter hohe Vulkan auch im 21. Jahrhundert ausbricht, sind hingegen sehr gering. Das letzte Mal spuckte der Vesuv 1944, seither raucht er kaum noch. Dennoch birgt es einen gewissen Nervenkitzel, die Straße von Ercolano aus hinaufzufahren und nach einem rund halbstündigen Fußmarsch an den Krater zu kommen. Der Blick hinein und hinunter auf Neapel und das Meer ist überwältigend.
Auch auf den Kanaren spielt der Vulkanismus ja ohnehin eine prägende Rolle, vor allem auf Teneriffa, wo der 3718 Meter hohe Teide den imposanten Mittelpunkt darstellt. An den Hängen des Vulkans, der gleichzeitig Spaniens höchsten Berg verkörpert, sind auch einige der weltgrößten Krater zu finden: Las Cañadas. Zudem warten verschiedene Touren durch die Pinienwälder, an Lavafeldern entlang oder durch Mondlandschaften und Lorbeerwälder. In zwei Besucherzentren kann man sich zudem bestens informieren - auch darüber, ob die bis auf 3500 Meter führende Seilbahn geöffnet hat oder nicht.
Weit weniger touristisch geht es auf den Azoren zu - die trotz ihrer Lage mitten im Atlantik noch zu Portugal und somit zur EU gehören. Hier fühlen sich Naturliebhaber wohl und Vulkanliebhaber am Westzipfel der Ilha do Faial ganz besonders. Nach fast einem halben Jahrhundert sind dort die Spuren des letzten großen Ascheregens noch immer allgegenwärtig: Verkohlt ragt das Skelett des alten Leuchtturms aus der schwarzen Vulkanschlacke. Unter Aschekuppen ist das alte Dorf noch auszumachen. Die tiefschwarze Lavawüste steht im Kontrast zur ansonsten sattgrünen Hügellandschaft der Inselgruppe. Ein 2008 eröffnetes Museum widmet sich liebevoll der Geschichte der Ausbrüchen und der Vulkanologie.
Das tropische La Réunion im indischen Ozean ist der französische "EU-Außenposten" mit einer weltweit einmaligen Lava- und Kraterlandschaft. Einzigartig ist etwa der 2632 Meter hohe Vulkan Piton de la Fournaise ("Der Glutofen"). An anderen Stellen der Insel gibt es Lavafelder und Krater, bizarre Felsformationen und Landstriche, in die aufgrund des steilen Reliefs keine einzige Straße führt.
Auf Hawaii schwingen sich die beiden Vulkane Mauna Kea und Mauna Loa zu rekordverdächtiger Größe auf. Von ihrem Fuß am Meeresboden bis zum Gipfel messen sie mehr als 9900 Meter und überragen damit sogar den Mount Everest (gut - die Hälfte der hawaiianischen Vertreter befindet sich unter dem Meeresspiegel). Der entscheidende Vorteil für Urlauber: Man kann hier deutlich einfacher wandern, und, wer es aufregender will, auch extremklettern. Bester Ort für Vulkanfreunde ist der rund 900 Quadratkilometer große Hawaii Volcanoes Nationalpark - mit den dampfenden Calderas und den üppigen Regenwäldern ein Wunder der Natur. 240 Kilometer Wanderwege und malerische Routen ermöglichen es, dieses Naturschauspiel hautnah zu erleben - vor allem, wenn man den dampfenden Krater des Kilauea durchquert. Am besten informiert man sich vorher im Kilauea-Besucherzentrum.
Vor 10.000 Jahren entstand die von Vulkanen geprägte Landschaft der Eifel. Auf knapp 50 Kilometern Länge bezeugen rund 350 Vulkane die explosive Entstehungsgeschichte des Westeifler Vulkanfeld. Das Pulvermaar ist das tiefste Maar in der Eifel und mit 72 Metern der tiefste natürliche See Deutschlands neben den Voralpenseen und dem Bodensee. Ein Campingplatz liegt direkt am Maar, wo es auch ein Nichtschwimmer- und Planschbecken gibt. Erlaubt ist: Schwimmen, Angeln und Bootfahren mit Ruder oder Paddelbooten (Bootsverleih auch von Tretbooten). Das Meerfelder Maar misst im Durchmesser etwa 1,5 Kilometer und bietet Heimat für zahlreiche seltene Wasservögel.
Ecuador ist ein wahres Vulkanparadies. Mehr als 40 Feuerberge bilden eine Kette von circa 700 Kilometern. Sie sind alle über 5000 Meter hoch. Bekannt sind besonders der Cotopaxi (5897 Meter) und der Chimborazo (6310 Meter), der gleichzeitig der höchste Berg Ecuadors ist. Auch Neuseeland hat eine Vulkan-Kette zu bieten. An der Stelle, an der sich die Indisch-Australische und die Pazifische Platte treffen, schob sich einst die Erdoberfläche beachtlich in die Luft. Im Zentrum des Tongariro-Nationalparks befinden sich gleich drei Vulkane, die noch nicht verstummt sind: der Ngauruhoe (2291 Meter), der Tongariro (1968 Meter) und der Ruapehu (2797 Meter). Wer hier hochklettert, braucht starke Nerven.
Indonesien hat die meisten Vulkane, gemessen an seiner Fläche. Spezielle Veranstalter bieten etwa zweiwöchige Touren an, die die wichtigsten Vulkane abdecken: Der berüchtigte Krakatau kann, wenn die vulkanische Aktivität es zulässt, bestiegen werden, am Merapi sehen Besucher Überbleibsel dessen letzter Aktivität. Danach folgt ein Besuch des Tengger Vulkanmassivs. Abgeschlossen wird die Reise mit dem Besuch des Vulkans Ijen, einschließlich eines warmen vulkanischen Bades in einer der natürlichen Thermalquellen. Auch Indien kann sich mit einem Vulkan schmücken. Der Bromo im Nationalpark Bromo-Tengger-Semeru auf der indonesischen Insel Java ist 2329 Meter hoch.
Ätna: Italienische Zentrale für Tourismus ENIT, Neue Mainzer Straße 26, 60311 Frankfurt. Tel.: 069/23 74 34, E-Mail: Enit.ffm@t-online.de
Fremdenverkehrsbüro der Insel La Réunion c/o Atout France, Zeppelinallee 37, 60325 Frankfurt/Main, Tel.: 069 - 97 59 04 94, Fax: 069 - 97 59 04 95, E-Mail: insel-la-reunion@franceguide.com, Internet: www.insel-la-reunion.info
Hawaii Tourism Europe, c/o Aviareps angum GmbH, Sonnenstr. 9, 80331 München, Tel.: 089 - 23 66 21 77, Fax 089 - 23 66 21 99, Internet: www.hawaii-tourism.de;
Anbieter für Vulkantouren weltweit: VolcanoDiscovery GbR, Tobias Schorr & Tom Pfeiffer, Kronenstr. 2, 53840 Troisdorf; Internet: www.volcanodiscovery.com
Visit Iceland, Rauchstraße 1, 10787 Berlin; Tel.: 030 - 50 50 42 00, www.visiticeland.com, E-Mail: info@icetourist.is
Teneriffa Fremdenverkehrsamtwww.webtenerife.de
Azoren (englisch): www.azorestourism.com
Eifel:www.eifel.infowww.geopark-vulkaneifel.de
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Quelle: t-online.de , dpa , srt
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