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Schnäppchen-Weltreise für 1000 Euro

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Schnäppchen-Weltreise für 1000 Euro

19.05.2011, 10:26 Uhr | Julia Stanek, Spiegel

Thomas Niemietz auf dem Weg nach Frankfurt Hahn. (Foto: SWR)

Thomas Niemietz auf dem Weg zum Flughafen Frankfurt Hahn. (Foto: SWR)

In 40 Tagen um die Welt, und das mit einem Budget von nur 1000 Euro für Bus, Bahn und Flugzeug: SWR-Reporter Thomas Niemietz schaffte den Trip mit Secondhand-Tickets, Tuk-Tuk-Fahrten und Kurierdiensten - er musste nicht mal schnorren. Folgen Sie ihm auf seine Weltreise in unserer Foto-Show.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind mit 1000 Euro von Mainz losgezogen und wollten in 40 Tagen die ganze Welt bereisen. Wie viele Kontinente haben Sie gesehen?

Niemietz: Ich war tatsächlich auf allen fünf Erdteilen - das hätte ich mir nicht träumen lassen. Bis nach Australien kommt man noch relativ leicht für wenig Geld, selbst wenn man in Afrika und Asien anhält. Aber ich war überzeugt, dass ich spätestens in Sydney oder im australischen Outback mittellos versacken würde. Zurück in Deutschland hatte ich dann sogar noch 39,48 Euro übrig.

SPIEGEL ONLINE: Wie kamen Sie auf die Idee?

Niemietz: Es ist nichts Besonderes mehr, zum Frühstücken nach London oder zum Shopping nach Rom zu fliegen - die Billigtarife der Airlines haben das möglich gemacht. Je weiter jedoch die Strecken sind, desto teurer wird das Reisen. Ich wollte wissen, ob 1000 Euro für einen Trip um den Globus ausreichen.

SPIEGEL ONLINE: Wie lief also Ihre Reise mit dem schmalen Budget?

Niemietz: Ich habe mir einfach kein bisschen Luxus gegönnt. In Marokko bin ich in Gammelbusse mit Holzsitzen gestiegen. In Thailand bin ich Tuk-Tuk gefahren, das sind stinkende und höllisch laute Dreiräder. Außerdem bin ich viel getrampt, habe Fähren für 20 Cent gebucht und in Bussen nächtelang Thai-Entertainment-Programme ertragen, weil ich natürlich die Trips gebucht hab, die sich auch Einheimische leisten können. Das Verhältnis von Reichweite und Reisekosten musste nur stimmen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie von den 1000 Euro auch Hotelkosten und Verpflegung bezahlt?

Niemietz: Nein. Wenn man mit diesem Budget auch noch Kost und Logis bezahlen wollte, müsste man es sich entweder unter einer Brücke bequem machen oder als Couchsurfer bei Fremden. Man kommt dann ums Betteln nicht herum. Mir ging es aber nicht darum, meine Qualitäten als Lebenskünstler auszuloten. Mir ging es einzig um das Thema Mobilität, also um Flüge, Bus-, Schiffs- und Bahnfahrten. Was ich gelernt habe: Wer günstig um die Welt reisen will, muss nicht mal schnorren.

SPIEGEL ONLINE: Sondern was tun?

Niemietz: Handeln wie auf dem Basar kann man sich am Flughafen abschminken. Und Schnäppchen im Internet gibt's nur, wenn man lange im Voraus bucht - oder wenn man rund um die Uhr zig Buchungsportale observiert und zum richtigen Zeitpunkt zuschlägt. Als ich ein Ticket von Australien nach Amerika kaufen wollte, wäre ich fast verzweifelt: Mehr als 1000 Euro für eine Strecke wie Sydney-Buenos Aires. Eigentlich ein plausibler Preis für 12.000 Kilometer Luftlinie und eine Pazifiküberquerung...

SPIEGEL ONLINE: ...aber Sie wären dann gezwungen gewesen, Ihre Expedition um die Erde abzubrechen.

Niemietz: Ich habe Südamerika dann schweren Herzens gecancelt. Da führen die touristischen Hauptrouten einfach nicht hin - und nur auf solchen kannst du dich als Low-Budget-Reisender bewegen. Meine Rettung war ein Secondhand-Flugticket in die USA.

SPIEGEL ONLINE: Also ein Flug, den jemand nicht antreten konnte?

Niemietz: Ja. Seitdem die Billig-Airlines Flüge zu Tiefstpreisen anbieten, schließt doch kein Mensch mehr eine Reiserücktrittsversicherung ab - ich auch nicht. Viele lassen lieber mal einen Flug verfallen. Oder versuchen, ihre Tickets privat zu versteigern, zum Beispiel über Online-Auktionshäuser.

SPIEGEL ONLINE: Das ist bei all den Sicherheitsmaßnahmen im Flugverkehr erlaubt?

Niemietz: Es ist von Land zu Land verschieden. Bei Ebay Deutschland ist es offiziell verboten, aber daran hält sich kaum einer. In Australien ist es erlaubt. Ich habe allerdings auch ganz altmodisch Suchanzeigen an Laternenpfähle geklebt und in Backpacker-Hostels verteilt - und so jemanden gefunden, der ein Flugticket von Sydney nach Honolulu verscherbeln wollte. Ich habe es für weniger als die Hälfte des Originalpreises bekommen.

SPIEGEL ONLINE: Wie teuer war es genau?

Niemietz: Es hat mich 200 australische Dollar gekostet (rund 145 Euro) - vor allem aber Nerven! Ich hatte den Namen zwar gegen eine Gebühr von 40 australischen Dollar (rund 29 Euro) ändern lassen, war aber skeptisch, dass ein Secondhand-Ticket wirklich anerkannt würde. Hätte man mich beim Check-in in Sydney abgewiesen, wäre meine Reise zu Ende gewesen. Schließlich bin ich aber gut und günstig auf Hawaii angekommen.

SPIEGEL ONLINE: Das war Ihr fünfter Kontinent - haben Sie dann die Füße unter einer Palme hochgelegt?

Niemietz: Die Strände waren phantastisch! Aber ich habe mir bei meinem Experiment zum Thema Billigmobilität vorgenommen, auch Landwege zurückzulegen - ich wollte nicht nur einen Fuß auf alle Erdteile setzen.

SPIEGEL ONLINE: Also mussten Sie runter von Hawaii?

Niemietz: Genau, ich bin für umgerechnet 190 Euro nach Phoenix in Arizona geflogen und wollte dann mit den restlichen 75,48 Euro in der Tasche auf einem klassischen Roadtrip durch die Staaten trampen. Endlose Highways, Motels, ich sah mich schon von der Freiheitsstatue herunterwinken. Doch plötzlich stand ich am Flughafen von Düsseldorf - früher als mir lieb war.

SPIEGEL ONLINE: Wie kam es dazu?

Niemietz: Eine Luftfrachtagentur hatte einen Radiobeitrag von mir gehört und hat mich dann über mein Reise-Blog kontaktiert. Die haben mich gefragt, ob ich für sie einen dringenden Kurierjob erledigen würde: Ich sollte für ein deutsches Unternehmen wichtige Greencard-Formulare von Miami nach Köln-Porz bringen - sofort. Mein Lohn bestand in Gratisflügen von Phoenix nach Miami und von Miami nach Deutschland - ein unwiderstehliches Angebot.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie wenigstens auf der letzten Strecke mal geprasst?

Niemietz: Ich habe ein Verkehrsmittel benutzt, das ich mir die ganze Reise über nur selten gegönnt habe: die Bahn. Die Strecke Köln-Mainz, keine 200 Kilometer, hat 36 Euro gekostet.

SPIEGEL ONLINE: War die Bahn pünktlich?

Niemietz: Ja. Und selbst die Klimaanlage funktionierte - echter Luxus gegenüber den Arktis-Temperaturen, die Busfahrer in Asien bevorzugen.

Im Fernsehen

Thomas Niemietz' 150-minütige Reportage "Mit 1000 Euro um die Welt" wird am 25. Mai 2011 um 23 Uhr im SWR-Fernsehen gesendet.

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Quelle: Spiegel Online

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