03.04.2012, 17:04 Uhr | Marc Reisner/srt
Nerven wie Drahtseile benötigen die Gelmerbahn-Passagiere (Foto: Kraftwerke Oberhasli/srt)
Nicht nur Bergwandern ist in der Schweiz ein Erlebnis. Oft ist schon die Fahrt zu den Gipfelsteigen und Almen sehr beeindruckend - wie sieben einmalige schweizerische Bergbahnen beweisen. Schauen Sie sich die spektakulären und ungewöhnlichen Berg-Vehikel auch in unserer Foto-Show an. Weitere Informationen und nützliche Reisetipps zur Schweiz finden Sie in unserem Reiseführer Schweiz.
So brauchen die Passagiere der Gelmerbahn Nerven wie Drahtseile. Vor allem, wenn sich die Bahn von der Bergstation auf den Rückweg zum Grimselpass macht, fragen sich die Gäste: Hält das Seil? Und so mancher Überängstliche kreischt gar wie in der Achterbahn. Kein Wunder: Die steilste Standseilbahn der Welt schiebt sich über ein bis zu 106prozentiges Gefälle bergab. Da fühlt man sich auf den offenen Bänken recht verloren. Aber das Gefühl und der Blick lassen die Anspannung rasch vergessen. Zehn Minuten dauert die Fahrt, während der die Bahn gut 400 Höhenmeter überwindet. Eigentlich wurde die Bahn 1926 gebaut, um Baumaterial für die Gelmersee-Staumauer nach oben zu transportieren, seit 2001 können Wanderer sie nutzen. Und wem das nicht aufregend genug ist, der wandert weiter zur Hängebrücke überm Handeckfall, die sich 70 Meter hoch über die Schlucht spannt.
Kaum weniger steil als am Gelmersee quälen sich zwei weitere Standseilbahnen bergauf. Die eine ist die historische Standseilbahn von Le Châtelard, die mit 87 Prozent Steigung als steilste ihrer Art im Zweikabinenbetrieb gilt. Bergbahn-Fans bewundern die ausgefeilte Konstruktion mit Kurven und Tunneln sowie die raffinierte Führung des Zugseils, andere freuen sich an der Fahrt durch felsiges und locker bewaldetes Gelände. Vor den Launen des Wetters ist man dabei in den kleinen Kabinen sicher. Die zweite Bahn ist die Ritom-Bahn, deren kantige, rote Wagen sogar bis zu 87,8 Prozent bewältigen.
Mit einem anderen Superlativ kann die Bergbahn in Samnaun aufwarten: Sie ist die erste Doppelstockbahn der Welt. Bis zu 180 Gäste werden in einem Schwung auf die 2500 Meter hoch gelegene Bergstation befördert, knapp ein Drittel davon im Obergeschoss. In den Stationen wurden extra Lifte und Rolltreppen installiert, um die Passagiere bequem in die "Top-Etage" zu bringen. Dann geht es in nur sechs Minuten gut 720 Meter über eine Länge von mehr als 2200 Meter hinauf in die Silvretta-Arena. Übrigens: Allein die Tragseile der Gondeln wiegen 223 Tonnen - so viel wie etwa 170 Mittelklassewagen - und ruhen auf lediglich drei Stützen. Kein Wunder, dass diese zu den größten Bergbahnen weltweit gehört.
Üppig dimensionierte Fenster kennzeichnen vor allem die großen Bahnen. Doch auch in kleineren Gondeln können die Mitfahrer einen phantastischen Rundumblick genießen. Zum Beispiel in der ersten Drehgondelbahn der Welt. Die Sattel-Hochstucklibahn führt auf den Mostelberg und ist nichts für sensible Mägen, denn sie rotiert während der Fahrt. Allerdings beschränken sich die Achtergondeln auf gerade zwei Umdrehungen in knapp sechs Minuten. In denen erfreuen sich die bequem sitzenden Gäste am Landschaftspanorama. Oben locken schöne Rundwege - und die Aussicht auf die lustigen runden, in den Jahreszeiten-Farben Gelb, Grün, Rot und Blau lackierten Gondeln.
Während der knapp fünfminütigen Fahrt mit der Titlisbahn zum Fuß des Gletschers hängt die 80 Passagiere fassende Gondel zwar fest am Tragseil, ihr Boden dreht sich in dieser Zeit einmal um sich selbst. Wer es eher geradeaus mag, der sollte sich den Hammetschwandlift am Vierwaldstättersee anschauen. Das filigrane Metallgehäuse, 1903 errichtet, ragt 118 Meter kerzengerade auf. Schwindelfreien Mitfahrern bietet sich nach dem Auftauchen aus dem anfänglichen Bergstollen ein atemberaubender Blick auf den See und die Alpen. Und wer dabei Angst bekommt - nach nur 50 Sekunden ist alles vorbei. Oben geht es noch einige Schritte über einen schmalen Steg, bevor die Ausflügler wieder festen Boden unter den Füßen haben. Immerhin 40.000 Gäste pro Jahr nehmen den Nervenkitzel wahr.
Guten Appetit heißt es während der abendlichen Fahrt von Weggis nach Rigi Kaltbad. Am Ostufer des Vierwaldstätter Sees starten die großen Gondeln mit Platz für bis zu 76 Gäste und laufen fast geräuschlos hinauf bis auf 1423 Meter Höhe. Das ist nicht viel, und man könnte meinen, die Passagiere kämen ohne Verpflegung aus. Aber: Die 1968 eröffnete Luftseilbahn rühmt sich, das "einzige schwebende Restaurant der Schweiz" zu sein. Mit einem Aperitif geht's los, die Vorspeise wird auf der Bergfahrt serviert. Nach einem Stopp auf dem Gipfel mit dem einmaligen Blick über den See bis nach Luzern gleitet die mächtige Gondel im langsamsten möglichen Gang wieder hinab. Währenddessen serviert eine versierte Hostess den Hauptgang. Und zurück am Seeufer gibt es zur Verdauung noch einen kräftigen Kirsch-Schnaps.
Häufig sind moderne Bergbahnen umgebaute Lastenesel. Im Kanton Uri dagegen findet sich eine Seilbahn, die immer noch so aussieht, als würden die Menschen der Region mit ihr Holz, Lebensmittel und Vieh transportieren. Außer einem offenen Holzverschlag und einer simplen Dachkonstruktion hat die Bahn nicht viel zu bieten. Mit viel Mut bewältigen bis zu vier Ausflügler die Strecke zwischen Bristen und dem Waldiberg. Besucher sollten sich rechtzeitig mit Münzen oder Jetons (im Dorf) eindecken, denn damit setzt man die Gondeln selbst in Fahrt - und das rund ums Jahr.
Weitere Informationen
Bergbahnen Samnaun, bis 21. Oktober, Abfahrt jede halbe Stunde; Tel. 0041/81/8685213, E-Mail: info@bergbahnen-samnaun.ch, Internet: www.samnaun.ch
Sattel-Hochstuckli, Sattel - Mostelberg, April bis November, ab 8.15 bis 17.30 Uhr; Tel. 0041/41/8368088, E-Mail: info@sattel-hochstuckli.ch, Internet: www.sattel-hochstuckli.ch
Titlisbahn, ganzjährig, Tel. 0041/41/6395050, E-Mail: titlis@titlis.ch, Internet: www.titlis.ch
Hammetschwandlift, Bürgenstock-Bahnen, Tel. 0041/41/6129090, E-Mail: info@buergenstock-bahn.ch, Internet: www.buergenstock.ch
Gelmerbahn, 7. Juni bis 19. Oktober, 9 bis 16 Uhr; KWO-Besucherdienst, Tel. 0041/33/9822626, E-Mail: welcome@grimselwelt.ch, Internet: www.grimselwelt.ch
Standseilbahn Le Châtelard, Parc d'Attractions du Châtelard, Mai bis Oktober, 9.40 bis 16.40 Uhr; Tel. 0041/27/7691111, E-Mail: via Internet, Internet: www.chatelard.net
Ritom-Bahn, Mai bis Oktober, 8.30 bis 18.30 Uhr; E-Mail: norman@ritom.ch, Internet: www.ritom.ch
Rigi Bahnen, Weggis - Rigi Kaltbad, Mai bis September 19.30 bis 21.30 Uhr, Infos bei Rigi Bahnen, Tel. 0041/41/3998787, E-Mail: rigi@rigi.ch, Internet: www.rigi.ch
Seilbahn Bristen - Waldiberg, ganzjährig, keine festen Zeiten; Tel. 0041/41/8840640, E-Mail: toni.arnold@ur.ch, Internet: www.seilbahnen-uri.ch
Erstmals veröffentlicht am 23.03.2011
Quelle: srt
Linus schrieb:
am 3. April 2012 um 20:51:36
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(0)
falsch recheriert?
Die Schweizer Bahn ist wohl doch nicht die steilste der Welt. Die wurde bereits 1880 in Australien erbaut. Auszug
Wikipedia:Der weltweit steilste Schrägaufzug dürfte die Katoomba Scenic Railway in Katoomba (Australien) mit einer Steigung von 128 Prozent sein.
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Moin schrieb:
am 9. September 2010 um 20:31:37
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@elok33
Werter elok33, es handelt sich hierbei um eine nichtlineare Funktion. Sehen Sie bitte meinen Kommentar vom 3.Mai, 22:10 Uhr.
Es geht
nur über den Arcus Tangens. Nach Ihrem Dreisatz hätten 200% Steigung einen Winkel von 90 Grad. Der hat aber den Wert von unendlich (in %).
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Alter Lüdenscheider schrieb:
am 16. Mai 2010 um 12:59:58
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Steigung 106 %?
Als alter Lünscher finde ich ja die Steigung der Augustastr. mit 17% schon recht
anstrengend, da mag ich mir eine Steigung
von 106% nicht so recht vorzustellen...
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