21.07.2009, 12:58 Uhr | Spiegel Online, Alice Chalupny
Per Internet versteigert: Das Skigebiet Winterhorn in der Schweiz (Screenshot: t-online.de)
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Das Angebot in der Kategorie Immobilien trägt die Artikelnummer 500193445. Überschrift: Skigebiet Winterhorn zu verkaufen. Zustand: Gebraucht. Produktbeschreibung: "Wunderschönes familienfreundliches Skigebiet" mit Sessel- und Schlepplift, Restaurant samt Après-Ski-Blockhaus und einer Talstation mit Land. Preis: 250.000 Franken - umgerechnet gut 164.000 Euro. Einen Monat lang war das Skigebiet auf der Internet-Auktionsplattform Ricardo im Angebot. Am vergangenen Freitag dann endete die Bieterfrist - und die Besitzer ließen die Korken knallen. Gleich mehrere Interessenten hätten sich gemeldet, jubelten die Verantwortlichen - davon waren sie nicht ausgegangen.
Denn das Skigebiet am Fuß des Gotthardmassivs schreibt seit mehreren Jahren rote Zahlen, zuletzt lastete ein Schuldenberg von umgerechnet rund 100.000 Euro auf der Betreibergesellschaft. Die veralteten Anlagen verfügen über zu geringe Förderkapazitäten, als dass ausreichend viele Wintersportler gewinnbringend transportiert werden könnten. Und selbst wenn: Da das Skigebiet am hinteren Ende des Innerschweizer Urserentals liegt, verirren sich kaum Tagesgäste ans Winterhorn.
Wer jetzt für Winterhorn die 250.000 Franken auf den Tisch legt, das hält Claus Dangel noch geheim. "So wünscht es der Investor", betont der Geschäftsführer und Minderheitsaktionär der Betreibergesellschaft. Eine bekannte Größe aus der internationalen Tourismusindustrie sei die Person aber nicht. "Es wird keinen Aha-Effekt geben, wenn wir den Namen bekanntgeben", beruhigt Dangel - denn die Schweizer Medien rätselten in den vergangenen Tagen bereits intensiv, wer der Käufer sein könnte. Selbst die Nationalität des Investors will Dangel nicht verraten - zu groß ist offensichtlich die Sorge, der Retter in der Not könnte, verärgert über zu viel Publicity, von dannen ziehen. Denn der Deal ist nicht in trockenen Tüchern, noch laufen die Vertragsverhandlungen, noch muss die Bilanz der Betreibergesellschaft bereinigt werden.
Für die Bewohner der Gemeinde Hospental - das Dorf liegt im Tal unterhalb des Skigebiets - ist der Investor ein Glücksfall. Rund hundert Arbeitsplätze hängen direkt vom Wintersportbetrieb ab. In der vergangenen Saison, die jeweils drei Monate dauert, standen die Bergbahnen still - das Geld für den Betrieb reichte nicht mehr. Für die Bewohner ein schwerer Schlag, denn neben den zahlreichen Gästen aus Süddeutschland fehlten auch die gut 6000 Schweden, die jedes Jahr im Verbund eine Woche lang am Winterhorn urlauben. "Jeder Schwede lässt im Schnitt gut tausend Franken liegen. Das macht total sechs Millionen Franken für uns", rechnet Dangel vor. In Euro sind das gut vier Millionen Umsatz für die Skiregion - und der Hauptumsatzträger für die Region.
Im kommenden Winter sollen die Anlagen wieder laufen - Schweden und Deutsche können also wieder kommen. "Wenn der Investor einsteigt, können wir den Betrieb zu 99,9 Prozent aufnehmen", verspricht Dangel. Dass der Käufer in letzter Minute noch abspringt, will er zwar nicht völlig ausschließen, sagt aber: "Die Person ist sympathisch und sehr seriös, da sollte eigentlich nichts mehr dazwischen kommen."
Dangels Optimismus hat seinen Grund: In der Nachbargemeinde Andermatt baut der ägyptische Immobilienmogul Samih Sawiris derzeit ein riesiges Ferienresort mit 710 Wohnungen, 30 Privatvillen, Luxushotels mit insgesamt 600 Gästezimmern sowie einer Golfanlage von Weltformat. Das Resort, so Dangels Überlegung, werde die gesamte Region beleben. Oder wie er es in der Internet-Offerte beschreibt: "Das Skigebiet ist derzeit defizitär, sollte jedoch spätestens nach der Fertigstellung des Golfareals in Andermatt höchst profitabel zu betreiben sein."
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Quelle: Spiegel Online
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