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Taucher machen massiv Front gegen Riffsperrung

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Taucher machen massiv Front gegen Riffsperrung

25.02.2011, 11:28 Uhr

Thailand schränkt die Möglichkeiten für Taucher ein. (Symbolfoto: imago)

Thailand schränkt die Möglichkeiten für Taucher ein. (Symbolfoto: imago)

Der Kampf um Thailands Riffe ist entbrannt. Die Regierung hat 18 Gebiete für Taucher sperren lassen, um das dramatische Korallensterben zu bremsen. Doch die Wassersportler allein sind nicht das Problem.

Hilfe braucht Geld

Anchalika Kijkanakorn ist hoch zufrieden: Rund hundert Gäste sind in ihr nobles Aleenta-Resort in Phuket zum Gala-Diner gekommen. Das Motto des festlichen Banketts mit Hummer und Austern heißt: "Coral Couture". Am Ende des Abends hat die Hotelchefin 400.000 Bath (circa 10.000 Euro) für die von ihr mitbegründete Pure Blue Foundation gesammelt - ein Projekt zur Rettung der bedrohten Unterwasserwelt vor Thailands Küsten. Drei Millionen Bath (rund 71.000 Euro) braucht die Stiftung in den kommenden drei Jahren, um ihr ehrgeizigstes Projekt umzusetzen: die Schaffung eines künstlichen Korallenriffs 20 Meter vor dem Natai-Strand, an dem auch Anchalikas Luxusresort liegt.

Umweltbewusstsein stärken

"Ich möchte das Umweltbewusstsein der Thais stärken und zugleich den Fokus der Weltöffentlichkeit auf das Verschwinden der Korallenbänke rund um Thailand richten," verkündet die engagierte Thailänderin. Seit die Verwaltung der Marine-Nationalparks im Januar 18 der unzähligen Tauchspots an den Küsten vorübergehend geschlossen hat, kann sich Anchalika über mangelndes Interesse am Thema Korallensterben nicht mehr beschweren: Die Zeitungen sind voll davon. Und die Taucher wehren sich vehement dagegen, gleichsam zum Alleinschuldigen gestempelt zu werden.

Taucher: "Vom Unterwasserjäger zum Unterwasserheger"

Entscheidungen am grünen Tisch taugten nicht, um das Problem in den Griff zu bekommen, empört sich Christian Mietz, Vorstandsmitglied des thailändischen Tauchverbandes: "Der Tauchtourismus in Thailand trägt eher zum Schutz der wunderschönen Korallenlandschaften bei. Das Bewusstsein der Taucher hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt - vom ehemals Unterwasserjäger zum Unterwasserheger." Viele Tauchschulen arbeiteten mit nationalen und internationalen Organisationen zusammen, um die Riffe zu schützen, betont der ehemalige Marinetaucher der Bundeswehr.

Taucher oder Klimaerwärmung?

Der Direktor des "National Parks, Wildlife and Plant Conservation Department", Songtam Suksawang, wettert dagegen: "Menschliche Füße, die rücksichtslos auf den Korallen rumtrampeln, sind wahrscheinlich nicht weniger verheerend als die globale Klimaerwärmung." Trotz vieler vorbildlicher Tauchschulen gibt es eben auch die "schwarzen Schafe" der Branche, die ihre Schnorchel- und Tauchschüler nicht davon abhalten, auf die empfindlichen Riffe zu treten und sogar Korallen als Souvenir abzubrechen.

Es gibt nicht nur eine Ursache

Die meisten Wissenschaftler sind sich aber einig, dass die Schädigung der Korallen - nicht nur in Thailand - nicht nur eine, sondern viele Ursachen hat: den Klimawandel, warme Meeresströmungen wie El Niño, zunehmende Schadstoffbelastungen der Meere und auch Einflüsse wie Massentourismus und Raubfischerei. Einig sind sie sich aber auch, dass Einzelmaßnahmen nicht helfen und dass nur ein umfassendes Sanierungskonzept das völlige Verschwinden der bedrohten Korallenbänke verhindern kann.

Schlimmer als ein Tsunami

Kasemssan Jinnawaso, Generaldirektor der Marine-Nationalparks Similan und Surin in Thailands Süden - der prominentesten der gesperrten Tauchgebiete -, warnt: "Der Schaden an den Korallen ist schon jetzt riesig, wahrscheinlich größer als je zuvor in der Geschichte und sicherlich größer als durch den Tsunami 2004." Anchalika Kijkanakorn verweist auf Studien, nach denen seit Ende der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts jährlich weltweit rund 1500 Quadratkilometer Korallenriffe verschwinden - flächenmäßig doppelt so viel wie der Verlust beim Regenwald.

Bisher sind alle Sanierungskonzepte versandet

Meeresbiologen von elf Universitäten haben dem thailändischen Premierminister Abhisit bereits im vergangenen Jahr einen drei Milliarden Bath (das sind rund 71 Millionen Eruo) teuren "Masterplan" gegen das Korallensterben präsentiert. "Geschehen ist nichts," beklagt Sakanant Plathong, Professor an der Songkla-Universität. Das war auch das Schicksal des "National Coral Management Plan", der der Regierung bereits 2008 vorgelegen hat und irgendwo in den Schubladen verschwunden ist.

Jeder gegen jeden

Insider fürchten, dass auch diesmal der Aufschrei von Wissenschaft, Umweltschützern und Medien nach der Aufdeckung der Schäden durch die Korallenbleiche erneut wirkungslos verhallen wird. Zunächst aber wird noch heftig gestritten. Die Tourismusindustrie macht massiv Front gegen die Schließung von Korallenriffen. Für sie steht viel Geld auf dem Spiel. Immerhin kommen jährlich zwischen 550.000 und einer Million Fans der Unterwasserwelt nach Thailand, um dort die Schönheit exotischer Riffe, Fische und anderer Meerestiere zu genießen. Schon die Ankündigung der Sperrung hat die Besucherzahlen einbrechen lassen - dabei sind die gesperrten Gebiete nur ein Bruchteil der zugänglichen Spots des Landes.

Wer trägt die Schuld?

"Die Marineparkverwaltung sollte nicht nur den Tourismusbereich an den Pranger stellen", erklärt der Vizepräsident des Tourismus-Verbandes der südlichen Provinz Phangnga, Praput Khorpetch. Er klagt ebenso wie der engagierte Taucher Christian Mietz vor allem die illegalen Fischer an, die mit ihren Schleppnetzen, mit dem Einsatz von Gift und Explosivstoffen erheblichen Schaden an den Riffen anrichteten und - so Mietz - eine "weitaus größere Belastung und nachhaltige Gefährdung der Meere, Korallenriffe und mariner Artenvielfalt" darstellten als die jetzt ins Fadenkreuz gerückten Taucher. Das auch von Wissenschaftlern beklagte Problem der Raubfischerei ist der thailändischen Regierung seit langem bekannt. Geschehen ist wenig.

Korrupte Marineparkverwaltung?

Reiseunternehmen schließlich stellen die Marineparkverwaltung selbst an den Pranger. Sie sei korrupt. Eine Milliarde Bath an hinterzogenen Eintrittsgeldern versickere jährlich in den Taschen gieriger Parkchefs. Die Parkverwaltung leitete aufgrund der massiven Anschuldigungen umgehend eine interne Untersuchung ein. "Offizielle, die sich skandalös verhalten haben, werden streng bestraft," verkündete Nationalpark-Chef Sunant wohltönend. Ergebnisse der Nachforschungen wurden bisher nicht bekannt.

Künstliche Korallenparks sollen Entlastung schaffen

Doch je lauter über die Zerstörung der natürlichen Korallenwelt gestritten wird, desto lauter wird auch die Forderung, mit künstlichen Riffen die Unterwasserwelt für Touristen attraktiv zu halten. Auch Meeresbiologen wie Niphon Phongsuwan und Thorn Thanrongnawasawat plädieren für die Schaffung solcher artifiziellen Tauchgründe. Selbst Christian Mietz sieht das positiv: "Sie dienen neben der natürlichen Besiedlung der touristischen Tauchattraktion sowie der Verteilung von Taucherströmen und tragen somit zur Entlastung viel betauchter Korallenriffe bei."

Ideen sind nicht neu

Die Idee ist nicht neu. Bereits vor 30 Jahren wurden vor Thailands Küsten erste Versuche unternommen, künstliche Korallenparks anzulegen. Vor den bröckelnden Stränden der Touristenhochburg Pattaya ziehen die beiden ausgedienten Kriegsschiffe "HTMS Khram" und "HTMS Kut" seit fast zehn Jahren Unterwasser-Fans an - und dienen mittlerweile auch als Lebensbasis für Fische und Korallen.

Künstliche Riffe vor der Küste

An der Narathiwat-Küste in Thailands tiefem Süden wurden unter der Schirmherrschaft von Königin Sirikit in einer spektakulären Aktion im vergangenen Jahr 25 ausgemusterte chinesische T62-2-Panzer als Pilot-Projekt zur Schaffung künstlicher Riffe auf dem Meeresboden verankert. Nicht nur altes Militärgerät, auch alte Müllwagen und Eisenbahnwaggons, Betonblöcke, Stahlgerüste sollen künstlich neu schaffen, was in der Natur verloren geht.

Nicht alle Riffe sind gesperrt

Anchalika Kijkanakorn ist denn auch zuversichtlich, dass ihr ehrgeiziges Projekt an der Natai-Beach ein Erfolg wird: "Der Park wird ein richtiges Korallenriff auf der Basis künstlichen Trägermaterials, Dutzende von Fisch-, Schalentier- und Muschelarten anlocken und ein völlig neues Ökosystem schaffen." Doch bis es so weit ist, kann in Thailand trotz der vorübergehenden Blockade einiger Riffe durch die Marineparkverwaltung weiter getaucht und geschnorchelt werden. "Es sind lediglich einige wenige Riffe gesperrt," betont Tauchverbandsvorstand Christian Mietz. "Es gibt wirklich hinlänglich andere Tauchplätze." Das "Tauchvergnügen" sei durch die umstrittene Vorsorgemaßnahme der Marineparkverwaltung "in keinster Weise beeinträchtigt".

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Quelle: Spiegel Online

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Kommentare (8)

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Thema: "Taucher machen massiv Front gegen Riffsperrung "

Arnold Kuebler schrieb: am 19. April 2011 um 09:30:46
(0) (0) Korallensterben
Die Abwässer sind kein Problem , das Problem Sind die Sonnenkrems ! Ich Bin nun nach 3 . Jahren Pause wider aktiv am Tauchen
und wundere mich das auf einer Seite von einer Insel wo jeden Tag 20 bis 30 Boote anlegen (an Bojen) das sterben beobachtet werden kann und auf der anderen Seite der gleichen Insel die Korallen intakt sind . So muss ich doch Alls normal denkender Mensch nicht die Natur dafür verantwortlich machen. Gruß Arni
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ich schrieb: am 25. Februar 2011 um 17:30:04
(0) (0) jusuf
fischer und schleppnetz^^-kein fischer dieser welt fährt mutwillig in riffe oder korallen mit dem schleppnetz. die 3 fische die er
fängt werden den schaden am netz nie auffangen. gemeint ist fischen mit gift oder explosivstoffen. landratte^^
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SierraMadre schrieb: am 25. Februar 2011 um 17:14:29
(0) (0) Tauchen in Thailand
Habe auf Phuket den Tauchschein gemacht. Erste Tour nach Kho PhiPhi. Wunderschöne und noch gesunde Riffe. Aber ein
Betrieb wie auf dem Oktoberfest mit acht- und sorglosen Tauchern.Vor allem die aus dem ehemaligen Ostblock (waren etliche auf dem Tauchschiff) zertrampeln alles. Da kamen einem schon beim tauchen die Tränen. So schade es für die umweltbewussten Taucher ist, sollten dennoch die Reviere ganz geschützt werden. Natur hat Vorrang vor Profitinteressen.
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