11.11.2010, 13:17 Uhr | Christian Haas/srt
Alles wird teurer, auch der Gang zur Toilette. Zumindest gilt das an vielen deutschen Autobahnraststätten. Die Betreibergesellschaft Tank & Rast führt seit fast einem Jahr Tankstelle für Tankstelle einen neuen Lokus-Obulus ein. Statt 50 werden dann 70 Cent fällig. Doch nicht nur in Deutschland wird der Gang auf die öffentliche Toilette teurer, auch das Ausland schläft kräftig zu.
Die unsaubere Lösung das eigene Geschäft in freier Wildbahn zu verrichten, kommt für Städtetouristen kaum infrage. Sie haben eher das Problem, dass es in der Regel zu wenig öffentliche Toiletten gibt. Auf der Suche nach Erleichterungsmöglichkeiten sind sie im Ernstfall zu allem bereit. Auch zu hohen Gebühren. Ein Umstand, der mitunter gnadenlos ausgenutzt wird. Bis zu zwei Euro sind von Rom über München bis Paris an zentralen Standorten fällig. Dafür werben die Betreiber mit Sauberkeit und anderen Vorteilen.
In der französischen Hauptstadt etwa wird seit Kurzem für die neu lancierten Point-WCs getrommelt, als handele es sich um einen Massagesalon. So heißt es bei der Touristeninformation: "Für einen moderaten Preis können Sie sich auf einwandfreie Hygiene und ein gepflegtes Ambiente verlassen, bei dem auch der Begriff Wellness nicht zu kurz kommt. Nicht zuletzt können Sie Ihre Entspannungspause bei einem Kaffee oder kleinen Snacks ausklingen lassen." Nebenan, versteht sich. Auf das Wesentliche konzentrieren sich hingegen die Toilettenhäuschen in Venedig - wenngleich die Benutzung dieser Kanäle auch alles andere als günstig ist. Die Tageskarte für öffentliche Toiletten kostet in der Lagunenstadt drei Euro. Ja, richtig gehört, hier werden regelrechte Tickets verkauft, im Volksmund längst als "Pipi-Card" verspottet. Kein Witz ist hingegen, dass man diese Berechtigungskarte in der Nebensaison und als Online-Variante günstiger bekommt. Wer also rechtzeitig vorsorgt und bucht, kommt mit 1,50 Euro gut weg.
Wer gern im Voraus plant, ist auch bei der von Christoph Beckmann und Christian Rohowski gegründeten Internetsuchmaschine Lootogo.de goldrichtig. Die Idee für die Internetseite wurde aus der Not heraus geboren. "Als ich einmal zu Besuch in Berlin war, bin ich bei der Suche nach einer Toilette am Alexanderplatz fast verzweifelt", erzählt Beckmann. "Die Hygienestandards der Toilette, die ich nach langer Suche gefunden hatte, ließen zu wünschen übrig. Aus diesem Erlebnis ist dann die Idee entstanden, eine Toilettensuchmaschine mit Bewertungssystem zu erfinden." Nach eigenen Angaben ist Lootogo.de mit den Daten von rund 28.000 stillen Örtchen das größte Toilettenverzeichnis Deutschlands. Und eines mit echtem Servicecharakter: Mit ein paar Klicks haben User die Möglichkeit, Informationen über Ort und Qualität der WC's einzuholen - neuerdings auch via App.
Derartige Dienstleistungen scheinen gefragt. Neben Lootogo.de existiert mit Gratispinkeln.de noch eine weitere deutsche Toilettensuchmaschine, und auch im Ausland gibt es in diesem Segment einige Anbieter. Zum Beispiel in Großbritannien: In jenem Land, das sich rühmt, 1852 die öffentlichen Toilettenhäuschen erfunden zu haben (was umstritten ist), bekommen Toilettensuchende etwa in Brighton oder im Londoner Viertel Richmond nach vorheriger Registrierung eine SMS. Diese klärt über den Standort und die Öffnungszeiten des nächstgelegenen WC's auf. Derweil lotst einen das Gerät immer häufiger in Restaurants, Cafés, Shops oder den guten alten Pub, wo sich die Klotüren auch für Nichtkunden öffnen. Das Modell ist von höchster politischer Stelle initiiert, um den massiven Rückgang öffentlicher Toiletten und die damit einhergehende Pinkelproblematik zu stoppen. Im Gegenzug bekommen die Gastwirte eine Entschädigung von der Kommune.
Dieses Prinzip gibt es in Deutschland seit Jahren, es nennt sich "Nette Toilette". Bei dieser Kampagne, die bereits in 90 deutschen Städten und Gemeinden umgesetzt wird, stellen Restaurants ihre Toiletten kostenlos zur Verfügung und erhalten dafür im Gegenzug von der Stadt eine Aufwandsentschädigung von 100 bis 150 Euro im Monat. "So wird die Kapazität an öffentlichen Bedürfnisanstalten mit einem vertretbaren finanziellen Aufwand deutlich erweitert", erklärt der Leiter der Entsorgungsbetriebe Lübeck, Jan-Dirk Verwey. Lübeck ist der jüngste Neuzugang bei den "Netten Toiletten", vor wenigen Wochen gingen die mitwirkenden Betriebe damit an die Öffentlichkeit.
Doch was tun, wenn man weder in einer Stadt noch an einer Tankstelle, sondern im Stau steht und mit einem dringenden Bedürfnis konfrontiert wird? Auto abstellen und in die Büsche verschwinden? Keine gute Idee, denn das kann gehörig Ärger und sogar Punkte in Flensburg geben, da man sein Auto selbst im Stau nicht verlassen darf. Dann sollte man doch lieber auf die neueste Erfindung, die Handtaschen-Toilette zurückgreifen, die damit wirbt, in jede Hand- oder Hosentasche zu passen. Genau, es gibt hier durchaus Varianten: Der "Ladybag" für Frauen und der "Roadbag" für Männer sind jeweils den anatomischen Anforderungen entsprechend geformt. Was ihnen gemein ist: Mithilfe Tausender Polymerkristalle sollen sie laut Hersteller bis zu einem Liter Urin aufnehmen können. Allerdings kostet diese Lösung deutlich mehr als der Besuch am öffentlichen Örtchen, nämlich rund 21 Euro für zehn Stück.
Dass Toiletten nicht immer nur ein notwendiges Übel, sondern auch eine kleine Sehenswürdigkeit darstellen können, beweist indes die öffentliche Bar "Felix" im Nobelhotel "The Peninsula Hong Kong". Denn von der Herrentoilette im 28. Stock aus genießen die Gäste einen umwerfenden Blick über die Metropole. Und das im Stehen: Vor der Glasfront befinden sich mehrere von Star-Designer Philippe Starck konstruierte Urinale - frei nach dem Motto "Pinkeln mit Weitblick". "Pinkeln für Kunstsinnige" heißt es im neuseeländischen Dorf Kawakawa, in dem niemand geringerer als Friedensreich Hundertwasser seine letzten Jahre verbrachte - und dort auch beerdigt wurde. Doch bevor der Wiener Künstler im Jahr 2000 verstarb, hinterließ er seiner Wahlheimat noch ein echtes Hundertwasser-Objekt: eine öffentliche Toilette. Eben nicht irgendeine, sondern ein echtes Kunstwerk mit vielen kleinen Kacheln, unebenen Böden und buntem Firlefanz. Wie sagte doch der Großmeister bei der Einweihung 1999: "Es ist nur eine Toilette, aber das zeigt, dass auch kleine Dinge Schönheit ins Leben bringen können."
Quelle: srt
Tom schrieb:
am 17. Januar 2011 um 16:22:02
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Pipi
Wenn das jetzt auch noch so teuer wird, beim dem mieserablen Zustand auf unseren Raststätten... dann fehlt ja nur noch die Gebühr für
die Atemluft!!!
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matus schrieb:
am 11. November 2010 um 20:14:10
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Pipi Card
Für mich als Außendienstller eine feine Sache die MiniToilette für unterwegs,vor allem im feinen Zwirn nicht mehr aussteigen zu
müssen,bei dem Schmudelwetterwenn m Stau die Blase drückt.Jonhy Wee nennt sich die Wundertüte suuuuper!
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matthias schrieb:
am 11. November 2010 um 19:30:46
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@ diddel
die fernfahrer die ich kenne puschen nicht in eine plastikflsche, die dann entsorgt wird, sondern immer noch ganz klassisch "ans RAD"
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