27.08.2009, 15:29 Uhr | ADAC reisemagazin/Stefan Nink
Der Bernina-Express auf dem Solisviadukt in 83 Metern Höhe (Foto: ADAC/Alessandro Della Bella)Der Schweizer liebt seine Eisenbahnen, das zeigen die Magazine am Bahnhofskiosk. Noch ein bisschen mehr liebt der Schweizer die Züge der Rhätischen Bahn - schließlich fahren die auf den spektakulärsten Strecken im Alpenraum. Wir zeigen den Bernina-Express auch in unserer Foto-Serie.
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Die Züge der Rhätischen Bahn (RhB), ital. Ferrovia retica, sind im traditionellen Schweizerrot lackiert und muten in ihrer klassischen Zeitlosigkeit von außen an, als seien sie augenblicklich in einer vakuumierten Lagerhalle weggesperrt worden, sobald die Farbe getrocknet war. Überhaupt hat sich hier vieles einen Hauch Eleganz bewahrt, der im übrigen Bahn-Europa längst verschwunden ist. Statt eines Computerausdrucks ist das Erste-Klasse-Ticket des Bernina-Expresses ein kleines, grünes Stück Kartonage, das bestimmt schon 1929 so oder so ähnlich aussah. Die Umgangsformen der Schaffner und Kellner scheinen auch älteren Datums zu sein. Anders gesagt: Es macht ziemlichen Spaß, mit der kleinen Roten durch Graubünden zu fahren.
Die Albula-Bernina-Strecke gilt als spektakulärste Überquerung der Alpen (oder, im Fachjargon ihres Betreibers, als "höchstgelegene Alpentransversale und eine der steilsten Adhäsionsbahnen der Welt"). Die Strecke führt von Chur bzw. Davos ins norditalienische Tirano; die Verlängerung nach Lugano wird mit dem Bahnbus zurückgelegt. Auf der Strecke muss der Bernina-Express 55 Tunnel und 196 Brücken passieren sowie Steigungen von bis zu sieben Prozent ohne Zahnradantrieb bewältigen. Die einfache Fahrt von Chur nach Tirano kostet zurzeit 57 CHF (1. Klasse: 95 CHF). Es kann an allen Haltestellen unterwegs aus- und zugestiegen werden. Abschnittsweise sind auch Fahrten im Führerstand möglich (müssen im Voraus beantragt und auch gebucht werden!). Nach der Himalaja-Bahn im nordindischen Darjeeling und der Semmering-Bahn in Österreich ist die Albula-Bernina-Passage die dritte Bahnstrecke, die zum Unesco-Welterbe gehört. Zum 100. Geburtstag 2010 ist ein umfangreiches, ganzjähriges Festprogramm geplant.
Der Glacier-Express gilt als "langsamster Expresszug der Welt", für die Panoramastrecke zwischen St. Moritz und Zermatt benötigt er etwa 7,5 Stunden (und für die Passagiere ist das wahrlich keine Minute zu viel …). Die Fahrt durch das Herz der Schweizer Hochalpen führt durch 91 Tunnel, über 291 Brücken und den Oberalppass (Station in 2033 m Höhe). Die einfache Strecke von St. Moritz nach Zermatt kostet 133 CHF (1. Klasse: 221 CHF) (etwa 90 bzw. 145 Euro). Beide Strecken werden das ganze Jahr über befahren - und haben zu jeder Jahreszeit ihre besonderen Reize. Wegen der beträchtlichen Höhenunterschiede ist vor allem der Bernina-Express ein Zug, mit dem man innerhalb weniger Stunden verschiedene Jahreszeiten passieren kann: Man fährt so zum Beispiel vom Frühling in den Winter und wieder zurück in den Frühling. Oder, später im Jahr, vom Sommer in den Bergfrühling und weiter in die winterliche Gletscherwelt, bevor es anschließend hinunter ins warme Italien geht.
Der Landwasser-Viadukt: 130 m ist er lang, der Kurvenradius beträgt 100 m. Die sechs tragenden Bögen haben eine Spannweite von jeweils 20 m. Der Landwasser-Viadukt ist das Schmuckstück unter den Viadukten und Brücken der Rhätischen Bahn. Während der Bauzeit, 1902, machte der Viadukt auch durch die neuartige Bauweise von sich reden, denn die Pfeiler wurden ohne eigentliches Gerüst aufgemauert. In der Rheinschlucht türmen sich Felswände links und rechts der Gleise in atemberaubende Höhen. Die Landschaft wird nicht ohne Grund "Grand Canyon der Schweiz" genannt. Nach dem Naturschauspiel fährt der Zug nach Disentis, wo die älteste Benediktinerabtei der Schweiz steht (Gründung im 8. Jh.).
Das besondere Licht, die majestätischen Berge und die Seenlandschaft des Engadins flossen in viele literarische Texte ein. Einen Einblick in das lang gezogene Hochtal vermittelt die Fahrt von Spinas bis Ospizio Bernina – auf 2253 m ist der Bahnhof der geografische Höhepunkt der Reise. Hinter Pontresina hat man zur Rechten einen Blick auf das schroff aufragende Berninamassiv mit dem Hochtal Val Roseg, zur Linken liegen die Berge Piz Albris, Piz Languard und Muottas Muragl.
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