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Versteckter Bunker nahe Leipzig: Das Stasi-Geheimnis von Nummer 439

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Versteckter Bunker nahe Leipzig: Das Stasi-Geheimnis von Hausnummer 439

17.10.2011, 12:40 Uhr | dpa

Stasi-Bunker in Machern: Blick in die Nachrichtenzentrale. (Quelle: dpa)

Stasi-Bunker in Machern: Blick in die Nachrichtenzentrale. (Quelle: dpa)

Ein Zaun, ein Plattenweg, und wieder ein Zaun: Der geheime Bunker der Leipziger Stasi in einem Naherholungsgebiet wirkt so unscheinbar wie unheimlich. Zeitzeugen haben ihn als Museum erhalten. Schauen Sie sich den Bunker auch in unserer Foto-Show an.

Eingebettet in die malerische Natur östlich von Leipzig

Das grau-braune Einfamilienhaus in der Nähe der Lübschützer Teiche im sächsischen Machern ist malerisch gelegen. Alte hohe Eichen und Birken umstellen den Flachbau, Gras wuchert. "Das war das Wohnhaus des Bunkerkommandanten", berichtet Tobias Hollitzer vom Bürgerkomitee Leipzig. Ein Stasi-Major wohnte hier mit seiner Ehefrau hinter der willkürlichen, weil aus der Reihe tanzenden, Hausnummer 439. Die DDR-Idylle mit Wäscheplatz und Wagenrädern an der Außenwand tarnte, was hundert Meter weiter hinten begann: die innere Zone um einen geheimen Bunker der Staatssicherheit, in den sich Leipzigs Stasi-Chef Manfred Hummitzsch mit seinem Stab im Ernstfall zurückgezogen hätte.

Der gut erhaltene Bunker ist fast 4000 Quadratmeter groß

In allen 15 DDR-Bezirken habe es solche "Ausweichführungsstellen" für die jeweilige Stasi-Bezirksverwaltung gegeben, sagt Hollitzer. Der Stasi-Bunker in Machern, 30 Kilometer östlich von Leipzig, sei aber der einzige, der weitgehend erhalten ist und seit nunmehr 15 Jahren als Museum dient, getragen vom Bürgerkomitee. Laut Hollitzer finden pro Jahr bis zu 5000 Interessierte den Weg in das abgelegene Stasi-Ausweichquartier am Rande einer adretten Waldsiedlung. Das Areal in der inneren Zone erscheint ebenso harmlos wie das Einfamilienhaus des Bunkerkommandanten. Ein paar Garagen stehen dort und drei inzwischen verlotterte taubenblaue Ferienbungalows. Offiziell firmierte das Gelände als Urlaubsdomizil des "VEB Wasserversorgung und Abwasserbehandlung." Eine graue Werkstatthalle schließlich verbarg, wovon niemand wissen durfte: den fast 4000 Quadratmeter großen unterirdischen Bunker. Von dort aus hätten die Stasi-Leute im Kriegsfall nach genau festgelegten Plänen den Freiheitsentzug von Gegnern steuern sollen.

Gang durch die Stasi-Unterwelt

Museumsführerin Jana Bleyl drückt einen Knopf in der "Legendierungshalle". Scheppernd rollt eine große Metallplatte auf dem Boden beiseite und gibt die Treppen in die Stasi-Unterwelt frei. Unten riecht es modrig. Mehrere Drucklufttüren und Schleusen mit Duschen zum Dekontaminieren muss man passieren, um in die Schaltzentrale vorzudringen. Dort ist es eng, die Decken sind niedrig. Von einem langen Gang mit rotem Läufer gehen die Zimmer für die Stasi-Oberen ab. Der für Stasi-Chef Hummitzsch bestimmte Raum kommt im biederen Sprelacart-Ambiente, also mit typischer brauner Vertäfelung aus Holzimitat, daher.

Entdeckt wurde der Bunker 1989

Entdeckt wurde der 1972 fertiggestellte Stasi-Bunker im Dezember 1989 vom Macherner Pfarrer Gottfried Süß. Gerüchte über das Gelände im Wald waberten schon länger umher. Bürgerrechtler Hollitzer war im Januar 1990 zum ersten Mal im Bunker, erzählt er. Geschockt habe ihn die Entdeckung nicht, denn zu dem Zeitpunkt war er schon seit vier Wochen mit der Besetzung der Leipziger Stasi-Zentrale beschäftigt gewesen. "Danach schien einem fast nichts mehr unmöglich", sagt Hollitzer.

Das Bauwerk steht unter Denkmalschutz

Ernsthaft in Betrieb ging der Bunker nach Angaben von Hollitzer nie. Hummitzsch sei mal zur Besichtigung dagewesen, und Techniker hielten bis zum Ende der DDR die Anlangen instand. Inzwischen steht das Bauwerk unter Denkmalschutz. Für bloße Bunker-Fans oder DDR-Nostalgiker sei Machern allerdings die falsche Adresse, betont Hollitzer. "Wir wollen kein reines Technikmuseum und auch kein reines Militärmuseum sein, sondern uns geht es darum, die Tätigkeit der Stasi und die gesamte Mobilmachungsplanung der DDR zu vermitteln."

Weitere Informationen zum Stasi-Bunker gibt's unterwww.runde-ecke-leipzig.de/stasi-bunker.html. Das Museum im Stasi-Bunker ist an jedem letzten Wochenende im Monat, jeweils von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Preis für Führungen liegt bei drei Euro pro Person.

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Quelle: dpa

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Kommentare (70)

zum Forum

Thema: "Versteckter Bunker nahe Leipzig: Das Stasi-Geheimnis von Nummer 439"

Wolle schrieb: am 20. Oktober 2011 um 17:02:33
(1) (0) Stasi
da könnt ihr doch mal den Herrn Sacher Olaf aus Scheibenberg befragen. War ja schließlich sein Arbeitsplatz. Will aber jetzt auch
nichts mehr davon wissen.
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Mina schrieb: am 18. Oktober 2011 um 17:15:42
(2) (1) Bunker
Das ist jetzt doch ein Museum, was soll die ganze Diskussion? Wen sowas interessiert, der kann das Museum besuchen - wen nicht, der hält die Klappe!

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Markus schrieb: am 18. Oktober 2011 um 17:13:43
(3) (0) Bunker Leipzig
Ich danke Ihnen für diesen Artikel! Gerne besuche ich das Museum bei dem nächsten Leipzibesuch. Sehr spannend stelel ich mir
das vor, einmal selbst so einen Bunker zu besuchen...
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