19.04.2010, 09:36 Uhr
Ausnahmezustand: Passagiere sitzen an den Flughäfen fest (Foto: apn)
Auch am Montag bleiben die deutschen Flughäfen geschlossen. Wir sagen Ihnen, wie die Situation an den einzelnen Flughäfen ist, wo Sie sich informieren können und was Sie beachten müssen. Die wichtigsten Adressen der großen Veranstalter finden Sie am Ende des Artikels. Sie finden die entsprechenden Websites der Gesellschaften auch in unseren Airline-Steckbriefen. Bitte beachten Sie, dass es auch bei den Hotlines zu erheblichen Wartezeiten kommen kann, sinnvoller ist die Information über das Internet.
Der Luftraum über Deutschland bleibt aller Voraussicht nach weiter bis 2 Uhr am Dienstagmorgen gesperrt. Der Sprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS), Axel Raab, sagte am Montag dem DAPD, diese vorläufige Entscheidung beruhe auf den momentanen Erkenntnissen über die Aschewolke. Passagiere der Lufthansa können sich ihre Tickets in Bahnvoucher umwandeln lassen. Die Deutsche Bahn hat Fahrgäste gebeten, am Montagvormittag nur unbedingt notwendige Fahrten anzutreten. Gerade zum Wochenanfang seien die Züge auch durch Berufspendler gut ausgelastet, sagte ein Sprecher.
Die Deutsche Lufthansa holt 15.000 gestrandete Passagiere nach Deutschland zurück. 50 Langstrecken-Jets würden in den nächsten Stunden in Nord- und Südamerika, Afrika und Asien starten. Sie sollen dann am Dienstagmorgen in Frankfurt, München und Düsseldorf landen, sagte Lufthansa-Sprecher Andreas Bartels am Montag der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt.
Trotz einer generellen Sperrung des deutschen Luftraums wegen der Aschewolke aus Island fliegt Air Berlin Passagiere aus Palma de Mallorca nach München zurück. Wie die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft am Montag mitteilte, sei die Maschine mit rund 170 Passagieren von der Baleareninsel gestartet und werde gegen 15.45 Uhr in München erwartet. Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung handelt es sich dabei um einen kontrollierten Sichtflug, für den eine Ausnahmegenehmigung erteilt worden war. Auch Der Ferienflieger Condor fliegt derzeit gestrandete Urlauber aus Mallorca, Kenia und der Karibik zurück, allerdings nach Österreich.
Auf dem Flughafen Salzburg sollen am Montag 13 Flugzeuge mit deutschen Urlaubern landen. "Die Maschinen kommen aus Antalya, Palma oder Teneriffa und sollten eigentlich nach München, Nürnberg und Frankfurt fliegen", sagte Flughafensprecherin Susanne Macek auf dpa-Anfrage. Die Passagiere sollten nach der Landung mit dem Bus an ihre Zielorte gebracht werden. Kurzfristig hätten mehrere Fluggesellschaften eine Landung in Salzburg angefragt. Seit 5.00 Uhr am Montag war der Luftraum über Österreich wieder geöffnet. Eigentlich sollten 15 Maschinen in Salzburg landen. Air Berlin hatte jedoch zwei Landungen wieder storniert.
Der Reiseveranstalter Öger Tours bringt seine Pauschalreise-Kunden nach Ablauf des Urlaubs bis auf weiteres auf eigene Kosten in drei eigenen Hotels an der türkischen Riviera unter. Außerdem übernehme Öger die Verpflegung und biete zusätzliche kostenfreie Ausflüge an, teilte das Unternehmen am Montag in Hamburg mit. Damit reagiere Öger auf die Besorgnis vieler Kunden, denen mittlerweile das Geld ausgehe. Wer umgekehrt seinen Urlaub nicht antreten konnte, weil keine Flüge gingen, darf einen Monat lang zu unveränderten Konditionen seinen Urlaub nachträglich beginnen. Höhere Saisonpreise würden in diesen Fällen nicht berechnet.
Die irische Fluggesellschaft Ryanair hat wegen der Wolke aus Vulkanasche alle Flüge in Deutschland und 13 anderen Staaten bis Mittwoch um 13 Uhr abgesagt. Betroffen seien auch die Flüge in Großbritannien, Irland, Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden, Belgien, Holland, Frankreich, Deutschland, Polen und in den baltischen Staaten. Die Streichung bis Mittwochmittag solle Passagieren Zeit zum Umbuchen oder Stornieren geben, teilte die Airline am Sonntag in Dublin mit. Ryanair-Flüge von Spanien, den Kanaren und Balearen sowie Süditalien (Pisa, Rom, Sardinien und Sizilien), Malta und Nord-Afrika würden nur auf inländischen und südlichen Flugrouten planmäßig fortgesetzt.
Die Fluggesellschaften müssten betroffenen Passagieren auf ihren Wunsch hin den kompletten Ticketpreis inklusive Steuern und Gebühren zurückzahlen, erklärte Reiserechtler Holger Hopperdietzel. Einen darüber hinaus gehenden Schadenersatz, wie er in der EU-Fluggastrechteverordnung 261/2004 bei Annullierungen vorgesehen ist, gebe es für Reisende dagegen nicht. Bei einer Schließung von Flughäfen oder des gesamten Luftraums könne sich eine Fluggesellschaft von ihrer Schadenersatzpflicht entlasten. Wenn ein Reiseziel auf einem anderen Weg erreichbar ist, bestehe für die Airlines dagegen kein Grund, Flüge zu annullieren, erläuterte Hopperdietzel. Wenn zum Beispiel Verbindungen nach Nordamerika statt über Großbritannien und Island auch über südlichere Routen über den Atlantik geführt werden können, "dann muss die Airline das auch tun".
In Europa können nach und nach immer mehr Flughäfen öffnen. In Frankreich soll die Sperrung für die meisten Flughäfen sogar bis Dienstagmorgen gelten. Der britische Luftraum wird am Dienstag teilweise wieder geöffnet. Von 07.00 Uhr (08.00 Uhr MESZ) dürfe über Schottland und Teile Nordenglands geflogen werden, teilte die britische Flugsicherung Nats mit. Freigegeben wurde am Montagmorgen unter anderem der Luftraum von Österreich. So konnte auf dem Wiener Flughafen der Flugverkehr teilweise wieder aufgenommen werden. Auch im Norden Europas konnten Passagiermaschinen wieder fliegen. In Finnland öffneten die Flughäfen von Tampere und Turku, Helsinki blieb aber weiter geschlossen. In Schweden wurde der Stockholmer Flughafen Arlanda wieder freigegeben. Bei British Airways, Air France/KLM/Alitalia blieb es in Österreich bei der Absage aller Flüge. Die Türkei hat Teile des Luftraums im Norden des Landes gesperrt. Der tschechische Luftraum ist wieder für Überflüge freigegeben worden. Bulgarien hat die Luftraumsperre weiter gelockert. Neben dem Airport der Hauptstadt Sofia, der bereits am Sonntag geöffnet wurde, nahmen auch die Flughäfen der Schwarzmeerstadt Burgas sowie Plowdiw den Betrieb wieder auf. Der Airport Sofia soll bis Montagabend geöffnet bleiben. Weiter geschlossen sind dagegen Warna am Schwarzen Meer und Gorna Orjachowiza in Nordbulgarien, wie das Transportministerium mitteilte. Da die Fahrtkarten für Bahnen oder Busse nach Westeuropa ausverkauft sind, bieten Taxiunternehmen Fahrten nach Budapest, Wien oder München an. Ungarn hat seinen Luftraum wieder geöffnet. Alle dänischen Flugplätze bleiben mindestens bis Dienstagmorgen 8 Uhr gesperrt. Die Luftfahrtbehörde teilte die Verlängerung der Sperrung am Montag in Kopenhagen mit. Weiter hieß es, dass Flüge durch den Luftraum des skandinavischen Landes in mindestens 11.000 Metern Höhe wie seit Sonntag gestattet würden.
Airline | Service-Hotline | Website | Besondere Meldungen / Tools |
Lufthansa | 0800 - 850 6070 (kostenfrei) | ||
airberlin | 00800-573 780 00 | ||
Condor | 01805 - 767 757* | ||
Tuifly | 0511 - 567 8000 (Sondernummer für Flugausfälle) | Keine, dafür Servicenummer (s. links) | |
Germanwings | 0900 -19 19 100** | ||
British Airways | 01805 - 266 522* | ||
Air France | 01805 - 830 830* | ||
KLM | 01805 - 254 750* (Online-Reservierungen) 01805 - 214 201* (Telefon-Reservierungen) | ||
Ryanair | Übersicht ausgefallene Flüge und Flugstatus online prüfen (englisch) | ||
Kosten laut Fluggesellschaft: * 0,14 Euro/Min. aus dem deutschen Festnetz. Preise aus dem Mobilfunknetz maximal 0,42 Euro/Min. ** 0,99 Euro/Min. aus dem Festnetz der Dt. Telekom. Mobilfunktarife können abweichen | |||
TUI: Aktuelle Informationen werden auf www.tui.com bereitgestellt oder können telefonisch unter der Kunden-Hotline 0511/567-8000 abgefragt werden. Die Hotline ist geschaltet für alle betroffenen Gäste der Marken TUI, airtours, Magic Life, Robinson, 1-2-FLY und Discount Travel. Am Sonntag nutzte TUI die Lockerung des Flugverbots, um einen Teil seiner im Ausland festsitzenden Urlauber nach Deutschland zurückzubringen.
Der über großen Teilen Europas gesperrte Luftraum stellt Touristen und Reisende vor eine Vielzahl von Problemen. Es geht um Beförderung, offene Hotelrechnungen oder strittige Kostenerstattung. Einige Fragen können Reiserechtler schon heute eindeutig beantworten, über andere werden wohl noch die Gerichte entscheiden müssen:
Jein. Reisende bekommen bei Flügen, die wegen der über Europa hinwegziehenden Vulkanasche-Wolke gestrichen worden sind, nur den Ticketpreis erstattet, wenn sie den Beförderungsvertrag gekündigt haben. Die Summe ist dann binnen sieben Tagen fällig, erklärt Prof. Ernst Führich, der an der Hochschule Kempten Reiserecht lehrt.
Eventuelle Mehrkosten für einen alternativen Reiseweg - beispielsweise per Bahn - muss die Fluggesellschaft nach einer Stornierung nicht mehr zahlen. Kündigt der Reisende nicht, hat die Fluggesellschaft für eine anderweitige Beförderung zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu sorgen. Macht sie das nicht, kann er die seine Beförderung selbst organisieren und die Kosten dafür von der Fluggesellschaft zurückverlangen, so Führich.
Das ist unklar. "Es gibt Airlines, die die Weiterbeförderung zum nächstmöglichen Zeitpunkt versprochen haben, aber sich weigern, länger als ein oder zwei Nächte das Hotel zu bezahlen", erläutert der Reiserechtler Holger Hopperdietzel aus Wiesbaden. "Das ist rechtlich etwas ganz Neues." Zwar sehe die EU- Fluggastrechteverordnung keine zeitlichen Einschränkungen für Betreuungsleistungen vor. Aber genau diese Unklarheiten des Verordnungstextes versuchten die Fluggesellschaften für sich zu nutzen und ließen es auf Prozesse ankommen. Neben der Hotelunterbringung sehen die Betreuungsleistungen eine angemessene Verpflegung sowie zwei kostenlose Telefonate, beziehungsweise Faxe oder E-Mails vor.
Nein. Über die Erstattung des vollständigen Flugpreises hinaus, kann der Reisende nicht auf Ausgleichszahlungen von bis zu 600 Euro hoffen, die bei verschuldeten Verspätungsfällen fällig werden. Eine Flugannullierung wegen Vulkanasche sei ein außergewöhnlicher und nicht durch die Airline beherrschbarer Umstand im Sinne der EU-Verordnung, erklärt Prof. Führich.
Ja. Fällt der geplante Rückflug wegen der Aschewolke aus, hat der Veranstalter die Möglichkeit, den Reisevertrag wegen höherer Gewalt zu kündigen. "Die Hotelkosten muss der Reisende dann allein tragen", erklärt Hopperdietzel. Der Veranstalter bleibe aber in der Pflicht, seine Gäste nach Hause zu bringen. Ein weiterer Wermutstropfen für den gekündigten Pauschalreisenden: "Eventuelle Mehrkosten für die Rückbeförderung werden geteilt." Es gibt allerdings Veranstalter wie Dertour oder Öger Tours, die die Übernachtungskosten aus Kulanz übernehmen.
Besser nicht. "Das ist immer ein Risiko", sagt Reiserechtler Hopperdietzel. Denn ob die Aschewolke den Abflug tatsächlich verhindert, und damit eine Kündigung wegen höherer Gewalt rechtfertigt, sei schwer vorherzusagen. "Der sicherere Weg ist, den Vertrag bestehen zu lassen." Den vollen Reisepreis würde der Reisende ohnehin nur bei Kurzreisen von bis zu einer Woche zurückerhalten - wenn absehbar war, dass sich der Abflug mehrere Tage verschieben wird, erklärt Prof. Führich. Für längere Reisen sei eine Kündigung wegen höherer Gewalt ohnehin nicht möglich. Ein deutlich verspäteter Abflug ab vier Stunden könne aber als Reisemangel geltend gemacht werden.
Im Prinzip ja. Wer jetzt bucht, kann auch noch wegen höherer Gewalt im Mai stornieren, wenn die Aschewolke immer noch oder wieder da sein sollte. "Bei der Buchung der Reise darf nicht vorhersehbar gewesen sein, dass die Reise beeinträchtigt ist", sagt Prof. Ronald Schmid, Experte für Luftverkehrsrecht aus Wiesbaden. Dies sei jetzt der Fall: "Es ist jetzt nicht vorhersehbar, dass die Reise Ende Mai gefährdet ist."
Nein. "Sie können jetzt noch nicht wegen höherer Gewalt kündigen", sagt Prof. Schmid. "In einer Woche ist das wahrscheinlich alles kein Thema mehr." Es sei nur eine Frage der Zeit, bis sich der Wind drehe und die Asche in eine andere Richtung treibe. «Sie müssen heute die Frage stellen, ob die Reise absehbar beeinträchtigt, gefährdet oder erheblich erschwert ist», erklärt Schmid. "Wenn das definitiv der Fall ist, können Sie natürlich heute kündigen." Dies könne aber niemand vorhersagen.
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Quelle: AFP , dpa-tmn , t-online.de , dapd , dpa
Beobachter schrieb:
am 21. April 2010 um 18:52:07
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Diese Wolke ..
..kostet uns alle ein Höchstmass an Geduld und die Wirtschaft insgesamt bestimmt ganz viel "Asche", das steht fest. Jedoch
die wirtschaftlichen Interessen vor die Sicherheit der Passagiere und der Bevölkerung zu stellen, kann nicht der richtige Weg sein. Deshalb ist die bisherige Entscheidung, den Luftraum weiterhin zu sperren, die richtige. Schaut man nach Island, so stehen die Zeichen alles andere, als auf Entwarnung.
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techno schrieb:
am 21. April 2010 um 13:56:25
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Simulation
Die Computersimulation ist ein wichtiges Werkzeug. Aber eine Simulation gleich als Blödsinn abzutun ist genauso, also ob man an
eine Starkstromleitung fasst, obwohl das Messgerät vorher gerade Spannung angezeigt hat. Ein Messgerät ist auch nur ein Werkzeug. Solch eine Einschätzung beruht darauf, dass man von der Materie keine Ahnung hat. Die Welt wird komplexer und man muss sich immer mehr auf Expertenwissen verlassen. Wer das nicht tut, trägt selbst das Risiko.
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Andeas schrieb:
am 19. April 2010 um 07:38:31
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Vulkanasche behindert Flugverkehr
Eine Einstelleung des Flugverkehrs nur aufgrund von Computersimulationen aus England,ist fragwürdig
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