17.10.2011, 08:04 Uhr | Hans-Werner Rodrian, srt
Wandern und Wein - das passt einfach perfekt zusammen. Denn erst wer gesehen hat, wo die edlen Tropfen herkommen, der weiß sie so richtig zu schätzen. Kein Wunder, dass alle deutschen Weinlagen auch den Wanderurlauber umwerben. Weinstraßen und Weinwanderwege laden von der Mosel bis nach Sachsen-Anhalt ein, sich genussvoll Kenntnisse über den deutschen Wein anzueignen - in Theorie und Praxis. Denn Probieren gehört dabei ganz selbstverständlich zum Marschieren. Wir stellen fünf besonders geeignete Regionen und ihre schönsten Wege vor - auch in unserer Foto-Show.
Da oben hat sie gesessen und den Schiffern den Hals verdreht. Erhard Sopp, einer von 60 Weinbauern in der Winzergenossenschaft Loreley, zeigt auf den mächtigen Fels, wo die blonde Nixe einst gesungen haben soll. 23 Kilometer lang ist die spektakulärste Etappe des Rheinsteigs von St. Goarshausen nach Kaub. Wem die sieben Stunden und mehr als 800 Höhenmeter dann doch des Guten zu viel sind, der begnügt sich einfach mit dem zweistündigen Weinlehrpfad, den Sopp und seine Winzerkollegen liebevoll pflegen. Kurz vor der Loreley zweigt der Weg von der Straße ab und kurvt in weitem Rund um den Hauptweinberg "Bornicher Rodenack" herum. Famos ist der Tiefblick hinunter ins Rheintal. Und am Wegrand wachsen dem Wanderer die Brombeeren geradewegs in den Mund. An schönen Wochenenden ist auch die Weinprobierhütte auf halber Strecke geöffnet - eine gute Gelegenheit, die Genossenschaftsweine von der Literware "Loreley lieblich" bis zum hochgelobten Winzersekt "Riesling Loreley brut" zu verkosten. Danach gestaltet sich dann auch der zweite Teil der Runde bis zum Loreleyfelsen noch mal so beschwingt.
Als Inbegriff der deutschen Weinromantik gilt die Mosel. Wenn im Herbst die Kegelclubs in die historischen Ortszentren von Cochem und Bernkastel-Kues einfallen, wird zwar auch die Kehrseite solcher Berühmtheit offenbar, doch in den Weinbergswegen über dem Fluss herrscht selbst an solchen hektischen Wochenenden Genuss ohne Lärm. Das Wandern hier ist nämlich kein leichtes Unterfangen: Die Weinberge an der Moselschleife von Bremm sind die steilsten Europas. Noch heute ist fast alles Handarbeit, was die Winzer der Moselregion in ihren steilen Wingerten tun. Besonders gut davon überzeugen kann man sich in der Moselhauptstadt Trier. Rund um den Petrisberg wurde dort der zwei Kilometer lange "Trierer Weinkulturpfad" angelegt. Er beginnt gleich neben dem römischen Amphitheater und zeigt auf rund 25 Schildern, wie sich zum Beispiel die Rieslingtraube von der Bacchusrebe unterscheidet. Dass sie auch unterschiedlich schmecken, stellt man am Ende des Weinlehrpfads im Winzerstadtteil Olewig fest. Dort haben sich die Winzer geeinigt, dass wöchentlich ein anderer von ihnen zur Weinkellerbesichtigung lädt.
Badens gute Stube, das Markgräfler Land, breitet sich vom Südschwarzwald bis zum Rhein und fast nach Basel aus; ihren Namen hat die Region vom Markgrafen Friedrich. Der liebte die Gutedelrebe über alles und brachte sie im 18. Jahrhundert vom Genfer See in seine badische Heimat, wo sie heute vorherrscht. Mit Flammkuchen und exquisiter Küche erinnert die Gastronomie ans nahe Elsass. Von Badenweiler mit seinen römischen Thermen wandert es sich herrlich zum zwölf Kilometer entfernten Schloss Bürgeln; dort wird die Mühe mit einer grandiosen Aussicht übers Rheintal und die Vogesen belohnt. Wer von diesem Vorgeschmack Appetit bekommen hat, der kann sich auf den gut 70 Kilometer langen Weg des "Markgräfler Wii-Wegli" machen. Er reicht von Weil am Rhein bis Freiburg im Breisgau, führt durch dunkle Wälder und vorbei an reichen Obstgärten. Besonders im Herbst, wenn die Laubfärbung einsetzt, bleibt die Strecke ein unvergessliches Erlebnis. An Einkehrmöglichkeiten mangelt es nicht: Überall locken gastliche Weinstuben mit Munsterkäse, Hausmacherwurst und natürlich einem Glas Gutedel.
Die Heimat des Frankenweins vermutet der Weinlaie am Ufer des Mains. Dabei kommen einige der süffigsten Tropfen aus dem Steigerwald östlich von Kitzingen. Der beste Startpunkt zu einer ganztägigen Wanderung durch diese ruhige Wein- und Waldlandschaft liegt in Castell; das majestätisch aufragende Schloss ist Frankens größtes Privatgut und wird heute weitgehend ökologisch geführt. Kenner stärken sich vor der Tour mit einer Vesper im Weinstall und besichtigen den imposanten Gewölbekeller. Dann geht es über den Kammweg des Schwanbergs zur Burgruine mit einem fantastischen Fernblick und weiter Richtung Iphofen. Der Weg führt durch einige der besten Lagen Frankens: Rödelseer Küchenmeister, Julius-Echter-Berg, Iphöfer Kronsberg machen Lust auf die verträumte Wein- und Fachwerkstadt Iphofen. Denn dort wird es niemand versäumen, innerhalb der vollständig erhaltenen Stadtmauern Frankens Paraderebe Silvaner zu verkosten. Gute Adressen hierfür sind der historische Zehntkeller und Winzer Johann Ruck am Marktplatz.
Steilterrassen, Trockenmauern, südliche Sonne: Deutschlands nördlichstes Weinanbaugebiet an Saale und Unstrut lockt mit geradezu italienischem Flair. Seit der Wiedervereinigung geht es mit Erfolg und Qualität steil bergauf. Das gilt gottlob nicht für die sanften Wanderwege der Region. Angenehm und nie zu steil läuft der Besucher in gut drei Stunden von Freyburg nach Naumburg. Typisch für das Städtchen Freyburg sind die rundum angelegten Weinterrassen, viele von ihnen wurden neu bepflanzt. Immer wieder stößt der Wanderer auf kleine Villen und Pavillons zwischen den Reben, sogenannte Weinberghäuser. Manche stammen noch aus dem 18. Jahrhundert. Nahe der Mündung der Unstrut in die Saale gibt es das "Steinerne Bilderbuch" zu bewundern, ein zwei Jahrhunderte altes, großartiges Bundsandsteinrelief. Auf 200 Meter Breite schildert es den Weinbau im Mittelalter. Durch den sogenannten "Blütengrund", eine idyllische Südlage, auf der Weißburgunder und Müller-Thurgau gedeihen, wandert man hinunter nach Naumburg mit dem weltberühmten Dom samt Stifterfiguren. Zurückgekehrt nach Freyburg, lohnt sich der Besuch der Rotkäppchen-Sektkellerei. Im überdachten Lichthof aus der Gründerzeit serviert der Kellermeister bis zu acht unterschiedliche Cuvees des Hauses - ein schönes Stück "Ostalgie".
Weitere Informationen
Mittelrhein Loreley: Winzergenossenschaft "Loreley" Bornich, Tel. 06771/7329, www.bornich.de, Stichwort "Gewerbe". Loreley Besucherzentrum, St. Goarshausen, Tel. 06771/599093, www.tal-der-loreley.de, www.rheinsteig.de.
Trierer Weinkulturpfad: Vereinigung der Trier-Olewiger Winzer, Gusterather Straße 4, 54316 Pluwig, Tel. 06588/600, olewigerwinzer@t-online.de, www.trier-olewiger-winzer.de. Prospekt des Weinkulturpfads über Tourist Information, An der Porta Nigra, 54290 Trier, Tel. 0651/978080, www.trier-info.de.
"Markgräfler Wii-Wegli": TVB Villingen-Schwenningen, Tel. 7721/846415, www.wii-wegli.de. Broschüre und fünftägige Wanderpauschale ab 410 Euro: Schwarzwald Tourismus, Ludwigstr. 23, 79104 Freiburg, Tel. 0761/8964693, www.schwarzwald-tourismus.info.
Castell - Iphofen: Tourist Information Fränkisches Weinland, Am Congress Centrum, 97070 Würzburg, Tel. 0931/ 372335, www.fraenkisches-weinland.de.
Weinwerbung Saale-Unstrut, Querfurter Str. 10, 06632 Freyburg, Tel. 034464/26110, www.natuerlich-saale-unstrut.de. Prospekte und siebentägige Wanderpauschale: Saale-Unstrut-Tourismus, Lindenring 34, 06618 Naumburg, Tel. 03445/233790, www.saale-unstrut-tourismus.de.
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Hans-Werner Rodrian, srt
Weinliebhaber schrieb:
am 17. Oktober 2011 um 11:14:14
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Weingegenden
Habt ihr schon mal was vom Meißner Wein und der tollen Umgebung mit der Elbe und den vielen barocken Schlössern und
Weinhäuschen gehört ?
Eine Weingend vom Feinsten mit vielen Wanderwegen, die ca. 30 km betragen ( oder auch mehr ). Historische Damfer bringen Euch auf der Elbe bis in die Weinbaugebiete. Von den Weinfesten, die ja mit Sicherheit überall dazu gehören, rede ich garnicht.
Kleiner Geheimtip : Meißen ( Prinz zur Lippe u.a. ), Barockschloß Pillnitz
( Zimmermann ).
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Weintrinker schrieb:
am 17. Oktober 2011 um 10:22:36
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Der Rheingau
ist zu jeder Jahreszeit ein Traum. Wie schön, dass ich mittendrin lebe!
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Niersotter schrieb:
am 17. Oktober 2011 um 09:57:18
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Weinwanderungen
Wenn schon so ein Bericht eingestellt wird, sollten möglichst die 13 Hauptanbaugebiete berücksichtigt werden, sofern
entsprechende Wanderwege vorhanden sind. Einige Bilder vom Rhein sind zwar schön, werden der Themenstellung aber nicht gerecht. Wie schon vorher bemängelt, wäre auch der wunderschöne Rotweinwanderweg an der Ahr zu nennen. Um den Lesern brauchbare Vorschkäge zu machen, sollte ein Thema nachhaltiger behandelt werden.
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