09.03.2009, 09:42 Uhr | M. Roman
Runde Formen, warme Farben: Das Hotelzimmer der Zukunft (Foto: M. Roman)
So haben Sie noch nie geschlafenVerrückte Hotelbauten
Seit Dezember 2008 steht im Innovationszentrum inHaus2 auf 38 Quadratmetern das Hotelzimmer der Zukunft, der Showcase "FutureHotel". Hier entwirft das Fraunhofer Institut zusammen mit seinen Partnern eine Vision, wie Hotelgäste im Jahr 2020 wohnen könnten. Als erstes fällt das Design des Zimmers auf. Es gibt kaum Ecken, "organische Formen" heißt das im Design-Deutsch, und irgendwie erinnert alles an Science-Fiction-Filme der 1970er Jahre. Das sei so eine "Wohlfühlsache", sagt Fraunhofer-Mitarbeiterin Britta Tenbosch. Laut wissenschaftlichen Studien erhöht diese Art der Gestaltung das Wohlbefinden.
Auf den ersten Blick wirkt die Einrichtung des ganz in Weiß gehaltenen Wohnraums relativ karg: Ein Bett, ein Fernseher mit Schreibtisch, eine Sitzecke und ein großes Panoramafenster. Doch die Raffinesse liegt im Detail: Per Knopfdruck trüben sich die Fenster und werden milchig. Möglich machen das elektrochrome Gläser, die es bereits heute im ICE gibt, um die Fahrer vor neugierigen Blicken der Passagiere abzuschirmen. Doch das Fenster im Future-Hotel ist mehr als eine Hightech-Jalousie. Abgedunkelt dient die gesamte Fläche als Projektionsfeld für Filme, Bilder oder Panoramen. So kann sich der Urlauber künftig selbst in der dichtesten Großstadt wie in einem Strand-Bungalow fühlen. Für eine angenehme Atmosphäre sorgt auch die Beleuchtung. Tausende LED-Lampen, in der Decke versteckt, tauchen den Raum in ein sanftes Licht, das in Intensität und Farbe den Wünschen des Gastes angepasst werden kann. Bei einem nächtlichen Toilettengang erkennt der Fußboden die Bewegung des Bewohners und schaltet ein sanftes Nachtlicht an.
Die Buchung könnte über das Handy des Gastes erfolgen, das dann auch gleichzeitig Zimmerschlüssel wäre. Gesteuert wird das Zimmer der Zukunft zentral entweder über den Fernseher in Kombination mit einer Fernbedienung oder per Spracheingabe. Auf diese Weise benutzt man auch die Minibar. Per Menü ordert der Bewohner den gewünschten Drink oder Snack, den ein kleiner Service-Roboter aus einem zentralen Depot holt und an die Zimmertür bringt.
Während heutzutage Hotels über eigene Wellness-Bereiche verfügen, ist das Badezimmer des "FutureHotel" ein eigenes Wohlfühlzentrum auf engstem Raum. Eine per Infrarot beheizbare Wand wärmt den Gast, ein individuell einstellbarer Duftspender sorgt für wohligen Geruch, die Badewanne fungiert als Whirlpool. Natürlich muss der Gast hier nicht auf einen Fernseher verzichten, dieser ist im Badezimmer-Spiegel integriert.
Während beim Projekt des "FutureHotel" eher Innovationen für eine fernere Zukunft entstehen, arbeitet man nur wenige Meter entfernt am Hotelzimmer von morgen. Im so genannten "FlexibleLab", das voraussichtlich Mitte des Jahres fertig gestellt wird, beschäftigt sich das Team unter Ralf Erdmann vor allem mit flexibler Raumgestaltung für Hotels. Dabei hätten Konzept und Design des "FlexibleLab" laut Erdmann einen "realitätsnahen Hintergrund", im Gegensatz zum "visionären" "FutureHotel". Mit Hilfe von Trennwänden und beweglichen Möbeln lassen sich zwei je 33 Quadratmeter große Parzellen wahlweise in einen Konferenzraum, zwei kleine Hotelzimmer oder eine große Suite verwandeln. Besonders raffiniert funktioniert die Umwandlung des Badezimmers. Ein drehbares Wandelement stellt entweder eine Dusche oder eine Toilette nebst Bidet zur Verfügung, je nachdem, was gerade benötigt wird.
Laut Projektleiter Ralf Erdmann könnten die ersten Hotelzimmer nach dem Vorbild des "FlexibleLab" bereits in ein bis zwei Jahren realisiert werden, eventuell von Lindner Hotels, einem der wichtigsten Partner bei den Hotelprojekten des Fraunhofer Instituts. Es liefen allerdings auch schon Gespräche mit anderen namhaften Hotelketten, sagte Erdmann gegenüber t-online.de. Nach der Eröffnung des Labors sollen erst einmal ausgewählte Testschläfer die Alltagstauglichkeit des Komplexes testen. Wer Interesse hat, sollte die Augen offen halten: Laut Erdmann könnte es über einen Wettbewerb oder ein Preisausschreiben die Möglichkeit geben, eine Nacht im "FlexibleLab" zu verbringen.
Weitere Informationen im Internet: www.inhaus.de
M. Roman
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